Mord-Vorwurf Das Doppelleben des Gunnar D.

Mit einer Frau lebte Gunnar D. in München, mit einer anderen in Stuttgart hatte er heimlich ein Kind. Als das Doppelleben aufzufliegen drohte, lockte er Mutter und Kind nach Portugal. Dort soll er beide getötet haben, die Staatsanwaltschaft hat ihn wegen Doppelmordes angeklagt.

Georgina Z. und Alexandra; Gunnar D.: "Er wollte sich aus dem Staub machen"
dapd

Georgina Z. und Alexandra; Gunnar D.: "Er wollte sich aus dem Staub machen"

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Hamburg - Eine Zeitlang war es so einfach, zwei Leben zu führen. Offiziell wohnte Gunnar D., so berichten es zumindest Nachbarn, mit seiner Freundin in Daglfing, im Osten Münchens. Niemand wusste, dass es im Leben des 43-Jährigen noch eine zweite Frau gab, eine, die er immer nur heimlich getroffen hatte.

Im vergangenen Jahr stürmte ein Spezialeinsatzkommando die Münchner Wohnung des Paares und nahm den Ingenieur fest. Er soll seine heimliche Geliebte und das gemeinsame Kind getötet haben. Die Staatsanwaltschaft München hat am Freitag Anklage erhoben - wegen zweifachen Mordes.

Den Ermittlern zufolge wollte der 43-Jährige verhindern, dass seine Lebensgefährtin von seinem Doppelleben erfährt. Laut Staatsanwaltschaft hatte Gunnar D. zweieinhalb Jahre lang eine Beziehung mit der Angolanerin Georgina Z., die in Stuttgart wohnte. Als diese schwanger wurde, trennte sich Gunnar D. im Januar 2008 und zog sich zurück. "Er wollte sich aus dem Staub machen", sagt ein Ermittler. "Das Kind passte nicht in seine Lebensplanung. Außerdem hatte er Angst aufzufliegen."

Georgina Z. bat ihn laut Ermittlungsakte um Unterhaltszahlungen, doch der Vater weigerte sich. Die alleinerziehende Mutter erstattete Anzeige. Im Dezember 2009 beantragte die Staatsanwaltschaft Stuttgart Strafbefehl wegen Unterhaltsverletzung.

Dies soll der entscheidende Moment gewesen sein, so die Anklage, in dem Gunnar D. den Plan fasste, seine ehemalige Geliebte und das gemeinsame Kind zu töten, weil er fürchtete, dessen Existenz nicht länger geheim halten zu können. Zudem habe er schlichtweg keinen Unterhalt zahlen wollen, heißt es.

Gunnar D. soll Georgina Z. Anfang Juni vorgegaukelt haben, es noch einmal gemeinsam versuchen zu wollen. Mit Tochter Alexandra flog das vermeintliche Paar am 6. Juli vergangenen Jahres an die Algarve in Portugal zum angeblichen Familienurlaub.

Er packt sie, drückt sie unter Wasser, sie ertrinkt

Am letzten Tag dort, dem 10. Juli, fuhren die drei an einen abgelegenen Strand bei Meia Praia nahe Lagos. Gunnar D. soll mit Georgina Z. im Meer herumgealbert haben, so wollen es andere Badegäste aus der Ferne gesehen haben. Es habe so ausgesehen, als würden sich die beiden gegenseitig im Spaß untertauchen. Die 21 Monate alte Alexandra spielte im Sand.

Laut Anklageschrift packte Gunnar D. dabei seine Ex-Freundin und drückte sie unter Wasser, bis sie ertrank. Danach trug er die leblose 30-Jährige zurück zum Strand, tat so, als würde er sie wiederbeleben.

Neugierige und zu Hilfe eilende Badegäste soll er abgewimmelt haben, so gaben die Zeugen es zu Protokoll. Ihnen fielen auch Kratzspuren an Gunnar D.s Körper auf, die darauf schließen lassen könnten, dass sich Georgina Z. im Wasser gewehrt hat.

Den Strandbesuchern gegenüber soll der Münchner außerdem vorgetäuscht haben, er würde notwendige Medikamente für die Verletzte holen, so berichteten es portugiesische Zeitungen. Er schnappte sich das Kind und verschwand mit ihm über eine Treppe die Steilküste nach oben.

Das Mädchen tötete er an einem anderen Ort und versteckte seine Leiche zwischen Klippen bei Sagres, davon ist zumindest die Staatsanwaltschaft überzeugt. Ebenso geht sie davon aus, dass sich Gunnar D. nicht spontan vor Ort zu der Tat entschloss. Am Abend kehrte Gunnar D. allein zum Hotel Vila Galle Lagos zurück, in das er sich und seine kleine Familie eingebucht hatte.

Unglaubwürdige Version

Am nächsten Tag verließ er das Hotel, mietete sich einen Wagen, fuhr nach Lissabon und flog allein zurück nach München.

Die Obduktion in Portugal ergab, dass Georgina Z. getötet wurde. Die Behörden suchten mit internationalem Haftbefehl nach dem Ingenieur, befragten Urlauber und nahmen ihn schließlich in München fest.

Damals beteuerte Gunnar D., Alexandra würde leben. Er habe das Mädchen Einheimischen übergeben und ihnen mit Gesten verständlich gemacht, sich um die Kleine zu kümmern. Eine Version, die ihm die Ermittler nicht abnehmen. Eine Leiche wurde bislang nicht gefunden.

Die Staatsanwaltschaft München hat ihn wegen Mordes aus Heimtücke und Habgier angeklagt. Gunnar D. schweigt zu den Vorwürfen.



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