Mordfall Frederike von Möhlmann Gericht weist Berufung des Vaters zurück

Hans von Möhlmann kämpft darum, dass der mutmaßliche Mörder seiner vor 35 Jahren getöteten Tochter zur Verantwortung gezogen wird. Vor Gericht musste er nun jedoch einen weiteren Rückschlag hinnehmen.

Hans von Möhlmann mit Foto von Tochter Frederike
DPA

Hans von Möhlmann mit Foto von Tochter Frederike


Frederike von Möhlmann war 17 Jahre alt, als sie 1981 getötet wurde. Ihr Vater hat in seinem Kampf, den mutmaßlichen Mörder doch noch zur Verantwortung zu ziehen, einen weiteren Rückschlag erlitten. Der 5. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Celle wies seine Berufung zurück. Der Kläger habe einen eigenen Schmerzensgeldanspruch aufgrund seiner Traumatisierung durch die Mitteilung des Todes seiner Tochter nicht hinreichend dargelegt, begründeten die Richter.

Hans von Möhlmann hatte den Mann, den er für den Mörder seiner Tochter hält, auf Zahlung von Schmerzensgeld verklagt - wegen der erlittenen seelischen und körperlichen Beeinträchtigungen. Das Landgericht Lüneburg hatte die Klage im September 2015 mit Hinweis auf die Verjährung abgewiesen. Dieses Urteil wurde jetzt vom OLG Celle bestätigt.

Nach dem Mord an Frederike von Möhlmann bei Celle war 1982 ein heute 57-jähriger Mann zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil aus Mangel an Beweisen jedoch auf und sprach den Verurteilten frei. Erst 2012 tauchten wegen der besseren technischen Möglichkeiten neue DNA-Spuren auf, die den Freigesprochenen schwer belasten.

Repräsentative Umfrage

Doch strafrechtlich kann der Mann nach dem Freispruch nicht mehr belangt werden, es sei denn, er legt ein Geständnis ab. Diese Rechtslage ist für viele nicht nachvollziehbar. Auch den niedersächsischen Landtag beschäftigt der Fall inzwischen.

Die Internet-Kampagnenplattform Change.org hat in Kooperation mit abgeordnetenwatch.de, einer Plattform für Bürgeranfragen an Abgeordnete, eine repräsentative Meinungsumfrage zu der strafrechtlichen Lage bei Infratest dimap in Auftrag gegeben. Die Frage lautete: Sollte die Strafprozessordnung geändert werden mit dem Ziel, einen Mordprozess wiederaufnehmen zu können, wenn durch moderne Untersuchungsmethoden neue Beweise ans Licht gekommen sind?

Wie sehen Sie das: Sollten Gerichtsverfahren wieder eröffnet werden können, wenn durch neue Untersuchungsmethoden Beweismittel gründlicher ausgewertet werden können, oder sollten Gerichtsverfahren in solchen Fällen nicht erneut verhandelt werden können?
SPIEGEL ONLINE

Wie sehen Sie das: Sollten Gerichtsverfahren wieder eröffnet werden können, wenn durch neue Untersuchungsmethoden Beweismittel gründlicher ausgewertet werden können, oder sollten Gerichtsverfahren in solchen Fällen nicht erneut verhandelt werden können?

Befragt wurden dazu vom 4. bis 6. April 1025 wahlberechtigte Personen, eine repräsentative Zufallsauswahl. Das Ergebnis liegt SPIEGEL ONLINE vor: 91 Prozent der Befragten sprachen sich für die Möglichkeit eines neuen Prozesses aus. Nur sechs Prozent lehnten eine solche Möglichkeit ab. Keine Meinung zu dem Problem hatten zwei Prozent der Befragten.

Auffallend ist, dass diese große Einigkeit über Parteigrenzen hinweg reicht. Anhänger der Linken und der SPD stimmten zu 91 Prozent zu, Anhänger der Grünen und der CDU zu 90 Prozent. Eine etwas größere Mehrheit fand sich bei AfD-Anhängern (93 Prozent), eine etwas kleinere (89 Prozent) bei Personen, die der FDP zuneigen. Ausgangspunkt der Umfrage war eine Petition von Hans von Möhlmann, der eine entsprechende Änderung der Strafprozessordnung fordert.

wit/dpa



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