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20. September 2016, 16:55 Uhr

Vater der ermordeten Frederike von Möhlmann

"Ich bin nur ein Einzelfall"

Seit Jahren kämpft Hans von Möhlmann darum, dass der Mörder seiner 1981 getöteten Tochter bestraft wird - bislang vergeblich. Nun ist der Vater ins Justizministerium gefahren, mit fast 105.000 Unterschriften.

Gerade mal 17 Jahre alt war Frederike von Möhlmann, als sie 1981 starb. Vergewaltigt und ermordet, ein verstörender Fall. Vor vier Jahren aufgetauchte DNA-Spuren legen nahe, dass ein bereits damals tatverdächtiger Mann der Mörder war - doch der heute 57-Jährige ist noch immer in Freiheit. Denn strafrechtlich kann der vor vielen Jahren freigesprochene Mann nur noch belangt werden, wenn er ein Geständnis ablegt.

Diese Rechtslage finden nicht nur die Hinterbliebenen des getöteten Mädchens verstörend: Exakt 104.630 Unterschriften hat Frederike von Möhlmanns Vater nun beim Bundesjustizministerium abgegeben - so viele Menschen haben auf der Plattform Change.org eine Petition gezeichnet, die eine Überarbeitung des Strafrechts in diesem strittigen Punkt fordert.

Dass sich so viele Menschen für das Schicksal seiner Familie und diesen juristischen Sonderfall interessieren, ist laut Hans von Möhlmann "ein dicker Erfolg". Er hoffe zumindest, dass die Behörde von Justizminister Heiko Maas sich des Falls noch einmal annehme, sagte Möhlmann zu SPIEGEL ONLINE: "Jetzt müssen wir sehen, ob der liebe Herr Maas sich doch noch meldet."

Wirklich optimistisch sei er jedoch nicht. In den vergangenen Jahren habe er keine einzige Rückmeldung auf seine Anfragen aus dem Justizministerium erhalten, bei der Übergabe der Unterschriften sei er nun sogar von Polizisten aus dem Gebäude begleitet worden. "Da passiert nichts", so Möhlmann. Ihn ärgere, dass der bei Gesetzesänderungen in großen gesellschaftlichen Debatten sonst so aktive SPD-Minister in diesem Fall so untätig sei: "Ich fürchte", sagte er, "ich bin nur ein Einzelfall."

Rechtsanwalt Wolfram Schädler, der Möhlmanns Anliegen vertritt, will dennoch weiter für eine Änderung des strittigen Paragrafen 362 der Strafprozessordnung kämpfen - trotz der bisherigen Niederlagen: Zuletzt hatte ein Zivilsenat des Oberlandesgerichts Celle seine Berufung zurückgewiesen. Hans von Möhlmann hatte den Mann, den er für den Mörder seiner Tochter hält, wegen seelischer und körperlicher Beeinträchtigungen auf Zahlung von Schmerzensgeld verklagt.

Dass der mögliche Mörder der 17-jährigen Frederike trotz der neuen DNA-Beweise derzeit nicht angeklagt werden kann, liegt auch an zwei Urteilen aus den Achtzigerjahren: Damals hatte ein Gericht den heute 57-Jährigen zu lebenslanger Haft verurteilt, der Bundesgerichtshof hob das Urteil aus Mangel an Beweisen jedoch wieder auf und sprach den Mann frei. Dieses rechtskräftige Urteil kann nun nur noch ein Geständnis wieder aufheben.

An dieser Regelung stört sich eine große Mehrheit der Deutschen: Laut einer repräsentativen Meinungsumfrage der Plattformen Change.org und abgeordnetenwatch.de befürworten 91 Prozent der Deutschen, dass Verfahren wie im Fall Möhlmann einfacher wieder eröffnet werden können sollten. Die Frage lautete: Sollte die Strafprozessordnung geändert werden mit dem Ziel, einen Mordprozess wiederaufnehmen zu können, wenn durch moderne Untersuchungsmethoden neue Beweise ans Licht gekommen sind?

mxw

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