Mordfall in Perugia Amanda Knox kehrt erstmals nach Italien zurück

Der Justizkrimi um die wegen Mordes verurteilte und wieder freigesprochene US-Amerikanerin Amanda Knox beschäftigte jahrelang die Öffentlichkeit. Jetzt will die 31-Jährige nach Italien zurückkehren.

Amanda Knox im Jahr 2011
REUTERS

Amanda Knox im Jahr 2011


Der Fall machte vor Jahren Schlagzeilen: Wegen Mordes an der 21-jährigen britischen Austauschstudentin Meredith Kercher, mit der sie in Perugia zusammenlebte, wurde Amanda Knox 2009 in Italien zu einer langen Haftstrafe verurteilt.

Nach jahrelangem Justizgerangel wurde die US-Amerikanerin im Jahr 2015 endgültig freigesprochen - schon zuvor war sie in ihre Heimatstadt Seattle zurückgekehrt. Jetzt hat die 31-Jährige bekannt gegeben, dass sie nach Italien reisen wird. Sie werde im Juni an einem Festival über Justizirrtümer teilnehmen, schrieb sie auf Twitter.

Als sie in Perugia zu Unrecht verurteilt worden sei, habe das Projekt noch nicht existiert, so Knox. Sie sei geehrt, an dem "historischen Event" teilzunehmen. Die Veranstaltung findet vom 13. bis zum 15. Juni in Modena statt. "Wir haben sie eingeladen, weil sie eine Ikone des von Massenmedien begleiteten Prozesses ist", sagte Guido Sola, Vorsitzender der Strafkammer von Modena, der das Festival organisiert.

Bereits in der Vergangenheit hatte Knox angekündigt, nach Perugia reisen zu wollen, um mit ihrer Geschichte abschließen zu können. Ihr Ex-Verlobter, Raffaele Sollecito, saß wie sie für den Mord an Meredith Kercher vier Jahre in Italien in Haft, bevor auch er in letzter Instanz freigesprochen wurde. Beide haben Bücher über ihre Erfahrungen mit der Justiz geschrieben.

Italien musste der erst wegen Mordes verurteilten und dann freigesprochenen US-Bürgerin mehr als 18.000 Euro Entschädigung zahlen - Knox hatte eine halbe Million Euro gefordert. Die Behörden hätten bei der Befragung mehrere ihrer Menschenrechte verletzt, urteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg.

Vor allem der Ablauf des Verhörs durch die Polizei von Perugia in der Nacht zum 6. November 2007 wurde moniert. Knox wurde ohne Anwalt befragt, auch ein Pflichtverteidiger stand ihr nicht zur Seite. Sie lenkte damals den Verdacht auf ihren Arbeitgeber, einen Barbesitzer, der sich später als unschuldig herausstellte.

Letztlich wurde der von der Elfenbeinküste stammende Rudy Guede zu 16 Jahren Haft wegen des Mordes an der Austauschstudentin verurteilt. Am Tatort waren DNA-Spuren des Mannes gefunden worden.

ala



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.