Mordfall JonBenet Ermittler zweifeln an Geständnis

Ganz Amerika atmete auf: Der Mörder der kleinen JonBenet Ramsey schien endlich gefasst. Ein US-Amerikaner war in Thailand festgenommen worden und hatte die Tat gestanden. Doch jetzt wachsen die Zweifel an der Aussage des Mannes.


Washington - Die US-Zeitungen rätselten heute über die Motive des Amerikaners. So berichtet etwa die "USA Today", dass der 41-Jährige von dem Ramsey-Fall besessen sei und die Schuld auf sich nehmen wolle: "Ich sage nicht, dass dieser Mann es nicht getan hat. Aber wenn man ihm im Fernsehen zusah, wirkte es, als ob einer versucht, sich Antworten auszudenken", sagte der Ex-FBI-Experte Clint Van Zandt der Zeitung.

US-Zeitungen rätseln über die Motive des Tatverdächtigen
AP

US-Zeitungen rätseln über die Motive des Tatverdächtigen

Er habe das Mädchen mit Drogen gefügig gemacht und es anschließend sexuell missbraucht, hatte der Mann gestern gegenüber den thailändischen Ermittlern ausgesagt. Dies aber passe nicht mit den Autopsieergebnissen zusammen, hieß es. Denn bei der Obduktion des Mädchens waren keine Spuren von Betäubungsmitteln oder Alkohol gefunden worden.

Zudem hatte die Ex-Ehefrau dem Tatverdächtigen in einem Interview mit dem kalifornischen Fernsehsenders KGO-TV ein Alibi gegeben. Ihr Mann, der wie die kleine JonBenet Ramsey in Boulder wohnte, sei an Weihnachten immer bei der Familie in Alabama gewesen, so die Frau.

Die sechs Jahre alte JonBenet war am 2. Weihnachtsfeiertag 1996 erdrosselt und mit gebrochenem Schädel in der Gerümpelkammer ihres Elternhauses gefunden worden. Unter den Fingernägeln des Mädchen entdeckten die Ermittler DNA-Spuren. Die Behörden hoffen nun, dass ein Vergleich mit den Spuren des Tatverdächtigen Aufschluss über den Wahrheitsgehalt des Geständnisses geben könne. "Wenn die DNA übereinstimmt, dann ist der Fall so gut wie abgeschlossen", sagte Craig Silverman, ein ehemaliger Staatsanwalt aus Colorado.

Auch der Vater des Festgenommen hegt Zweifel: Schon 2001 habe ihm sein Sohn vorgespielt, dass er ein Verdächtiger im Fall Ramsey sei, zitiert ihn die "Denver Post". Das aber entsprach nicht den Tatsachen. Vielmehr wurde damals ausschließlich wegen Kinderpornografie gegen den Lehrer ermittelt, der in den vergangenen Jahren in mehreren Ländern tätig war, US-Medien zufolge auch in Deutschland.

Unterdessen teilte die Leitende Staatsanwältin mit, dass der Amerikaner aus "Gründen der öffentlichen Sicherheit" schon vor dem Abschluss der Ermittlungen und früher als ursprünglich geplant festgenommen wurde.

Der Fall war ins Rollen geraten, nachdem der Journalismusprofessor Michael Tracey von der Universität Colorado einen verdächtigen E-Mail-Wechsel mit dem Tatverdächtigen der Staatsanwaltschaft übergeben hatte. Tracey hat mehrere Dokumentationen über den mysteriösen Tod der kleinen JonBenet verfasst. Der Festgenommene habe zwei Jahre mit dem Professor kommuniziert. Am Ende seien die E-Mails so "beängstigend" geworden, dass sich Tracey eigenen Angaben zufolge an die Staatsanwaltschaft gewandt habe.

aki/dpa/AP



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