Mordfall Kalinka Gesundheitliche Probleme - Stiefvater aus Haft entlassen

Vor neun Jahren wurde ein damals 76-Jähriger Deutscher für den Mord an dem französischen Mädchen Kalinka verurteilt - nachdem er nach Frankreich verschleppt worden war. Nun darf der Mann das Gefängnis vorzeitig verlassen.
"Gerechtigkeit für Kalinka" steht auf Plakaten von Demonstranten in Toulouse (Archivbild)

"Gerechtigkeit für Kalinka" steht auf Plakaten von Demonstranten in Toulouse (Archivbild)

Foto: PASCAL PAVANI/ AFP

Der Stiefvater der 1982 ums Leben gekommenen Kalinka ist Medienberichten zufolge aus dem Gefängnis in Frankreich freigelassen worden. Dieter K. sei aus gesundheitlichen Gründen entlassen worden, meldeten der französische Fernsehsender BFM TV und die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Justizkreise. Der 84-Jährige werde in eine Gesundheitseinrichtung verlegt, hieß es weiter.

Der Fall ist ein deutsch-französischer Justizkrimi: Die damals 14-jährige Kalinka war 1982 tot im Haus ihres Stiefvaters Dieter K. in Lindau am Bodensee gefunden worden. Die deutsche Justiz stellte die Ermittlungen ein, anders als die Ermittler in Kalinkas Heimatland.

Ihr leiblicher Vater ließ den Mediziner 2009 nach Frankreich verschleppen. Zusammengeschlagen und geknebelt wurde der damals 74-Jährige Dieter K. unweit des Gerichtsgebäudes von Mulhouse gefunden - und prompt inhaftiert. Trotz des Protests der deutschen Behörden wurde Dieter K. in Frankreich erneut der Prozess gemacht, dieses Mal in Anwesenheit des Angeklagten.

Im Oktober 2011 das Urteil: 15 Jahre Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge.

"Gerechtigkeit für Kalinka"

Richter und Geschworene sahen es als erwiesen an, dass der Deutsche das Mädchen sexuell missbrauchen wollte und ihr ein Beruhigungsmittel sowie eine tödliche Spritze verabreichte. Der Mann selbst hatte stets seine Unschuld beteuert.

Der leibliche Vater wurde bald als Drahtzieher von Dieter K.s Entführung ausgemacht. Er leugnete nicht. Für ihn zähle nur seine Mission, "Gerechtigkeit für Kalinka", sagte er der Tageszeitung "Le Parisien".

Ein Gericht im französischen Melun hatte 2016 bereits einmal zugestimmt, Kalinkas Stiefvater aus der Haft zu entlassen. Die Haftentlassung wurde nach einem Berufungsantrag der Staatsanwaltschaft aber wieder abgelehnt. Im vergangenen Oktober ordnete das Gericht in Melun nun erneut eine vorzeitige Haftentlassung an.

bam/AFP