Mordfall Kardelen Dringender Tatverdacht gegen Mann aus Paderborn

Bewegung im Mordfall Kardelen: Nach dem gewaltsamen Tod des achtjährigen Mädchens aus Paderborn hat die Polizei jetzt einen dringend Tatverdächtigen ausgemacht. Gesucht wird laut Medienberichten ein 29-jähriger Türke aus der Nachbarschaft des Kindes.


Paderborn - Rund drei Wochen nach dem Mord an der achtjährigen Kardelen haben die Ermittler einen konkreten Tatverdacht. Dazu, ob der Mann bereits gefasst wurde, äußerte sich die Polizei allerdings nicht. Einzelheiten wollen Polizei und Staatsanwaltschaft erst am Nachmittag bei einer Pressekonferenz bekanntgeben.

Nach Informationen des "Westfalenblattes" soll es sich bei dem Verdächtigen um einen 29 Jahre alten türkischen Staatsbürger aus der unmittelbaren Nachbarschaft des Mädchens in Paderborn handeln. Die Zeitung berichtet in ihrer Online-Ausgabe, der von der Polizei verdächtigte Mann sei verheiratet und kinderlos. Er habe sich abgesetzt und werde nun mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Wie die Fahnder auf die Spur des mutmaßlichen Täters kamen, ist nicht bekannt. Den Berichten zufolge soll er bisher nicht als Sexualstraftäter in Erscheinung getretenen sein. Ein Abgleich der am Leichenfundort gesicherten genetischen Fingerabdrücke mit der Täterkartei sei erfolglos gewesen, berichtet die "Bild"- Zeitung online.

Ein Polizeisprecher in Paderborn wollte die Information weder bestätigen noch dementieren.

Die Mordkommission hatte in den vergangenen drei Wochen fieberhaft ermittelt. Die 60 Ermittler waren rund 1000 Spuren nachgegangen. Die Leiche der Achtjährigen war am 14. Januar von Spürhunden der Polizei in einer Tannenschonung am Möhnesee im Sauerland entdeckt worden. Das Mädchen wurde sexuell missbraucht und erstickt.

Zuvor hatten zwei Spaziergänger Kleidungsstücke des Mädchens, darunter einen zerrissenen pinkfarbenen Mantel, Handschuhe und eine Jeans, an dem rund 60 Kilometer von Paderborn entfernten Möhnesee gefunden. Das Kind war zwei Tage vor dem Leichenfund in seinem Heimatort zuletzt gesehen worden.

Die Polizei hatte unter anderem Zusammenhänge zu anderen Verbrechen untersucht, so dem Mord an der kleinen Michelle aus Leipzig und dem Verschwinden der achtjährigen Jenisa aus Hannover. In beiden Fällen seien Parallelen augenfällig, etwa das Alter der Kinder, hieß es.

Während der Ermittlungen war ein Streit losgebrochen, nachdem die türkischstämmige Schriftstellerin Serap Cileli ("Wir sind eure Töchter, nicht eure Ehre") die Vermutung geäußert hatte, der Täter könne auch ein Türke sein. Dafür wurde sie von den beiden größten türkischen Tageszeitungen in Deutschland, "Hürriyet" und "Sabah", heftig kritisiert.

ala/dpa/ddp



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