SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

15. Mai 2014, 10:37 Uhr

Freispruch für Ulvi K.

Mutter von Peggy verzichtet auf Revision

Nach dem Freispruch für Ulvi K. im Mordfall Peggy verzichtet die Mutter der Vermissten darauf, Revision einzulegen. Das kündigte die 41-Jährige in der Sendung "stern TV" an. Ein Gericht hatte zuvor eine frühere Verurteilung wegen Mordes aufgehoben.

Bayreuth/Köln - Die Mutter der seit 13 Jahren vermissten Peggy verzichtet nach dem Freispruch im Wiederaufnahmeverfahren gegen Ulvi K. auf eine Revision. "Nein, das werden wir nicht machen", sagte die Frau am Mittwochabend in der RTL-Sendung "stern TV". Das Landgericht Bayreuth hatte zuvor die frühere Verurteilung von Ulvi K. wegen Mordes an Peggy aufgehoben.

Der Freispruch des 36-Jährigen sei für sie nicht überraschend gekommen. Sie könne das Urteil akzeptieren, sagte die 41-jährige Frau aus Halle in Sachsen-Anhalt wenige Stunden nach der Urteilsverkündung. "Ich stehe jetzt aber vor dem Nichts."

Die damals neun Jahre alte Schülerin aus dem oberfränkischen Lichtenberg wird seit dem 7. Mai 2001 vermisst. Drei Jahre später wurde Ulvi K. in einem Indizienprozess zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Landgericht Hof sah es als erwiesen an, dass der Gastwirtssohn die Schülerin tötete, um einen vier Tage vorher begangenen sexuellen Missbrauch an ihr zu vertuschen. Er hatte die Tat im Juli 2002 gestanden, einige Monate später aber widerrufen. Ulvi K. ist wegen anderer Vergehen seit Oktober 2002 in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht.

Peggys Leiche wurde trotz vieler Suchaktionen nie gefunden. Im Dezember 2013 ordnete das Landgericht Bayreuth die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Ulvi K. an. Dafür gab es zwei Gründe: Der Fall musste neu aufgerollt werden, weil das damalige Geständnis von Ulvi K. der vermuteten Tatversion der Polizei auffällig ähnlich war. Außerdem hatte ein Belastungszeuge zugegeben, im ersten Prozess falsch ausgesagt zu haben.

Seit Sommer 2012 wird in dem Fall neu ermittelt. Eine Spur brachte die Polizei auf einen Mann aus Halle. Der ehemalige Bekannte von Peggys Familie sitzt derzeit wegen sexuellen Missbrauchs seiner Tochter in Haft. Er habe eingeräumt, sich auch an seiner Nichte mehrmals vergangen zu haben, gab ein Polizeibeamter an. Auffällig ist, dass die Nichte im gleichen Haus wie Peggy wohnte und der Missbrauch wenige Wochen vor Peggys Verschwinden stattfand. In der Zelle des Mannes fanden Polizisten ein Foto des Mädchens.

brk/dpa/AFP

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung