Prozess in Pretoria Staatsanwalt greift Pistorius scharf an

"Es geht immer nur um Herrn Pistorius": Im Mordprozess gegen den Ex-Sprinter-Star, der seine Freundin ermordet haben soll, setzt der Staatsanwalt den Angeklagten massiv unter Druck. Dessen Entschuldigung bei den Eltern der Toten sei ein "Spektakel".

AFP

Pretoria - Im Mordprozess gegen Oscar Pistorius in Südafrika hat Staatsanwalt Gerrie Nel am Donnerstag das Kreuzverhör des Sportlers fortgesetzt. Der Ankläger kritisierte die Entschuldigungen des Paralympics-Stars als "öffentliches Spektakel". Der Angeklagte hatte zuvor schluchzend erklärt, er habe erst im Gericht die Eltern der getöteten Reeva Steenkamp um Verzeihung gebeten, weil er zuvor einen direkten Kontakt als "unangemessen" angesehen habe.

Staatsanwalt Nel warf Pistorius am 20. Verhandlungstag vor, er sei einer Begegnung mit den Eltern des Opfers ausgewichen, "weil Sie keine Verantwortung übernehmen wollen". Zudem beschuldigte er den Sportler, nur aus egoistischen Motiven Reue zu zeigen. "Fühlen Sie sich besser nach der Entschuldigung?"

Pistorius hatte sich am Montag erstmals öffentlich zu der Tat am 14. Februar 2013 geäußert. Er hatte seine Freundin in seinem Haus in Pretoria durch die Toilettentür erschossen. Der an beiden Unterschenkeln amputierte Sportler beteuert, er habe Steenkamp für einen Einbrecher gehalten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm jedoch vor, seine Freundin nach einem Streit ermordet zu haben.

"Tu dies nicht, mach das nicht"

Am Donnerstag setzte der für seine harschen Befragungen bekannte Nel seine harte Linie fort. Er warf Pistorius Selbstverliebtheit vor. Zudem suche der Angeklagte die Schuld immer bei anderen, nicht jedoch bei sich selbst. Der 27-Jährige denke immer nur an sich, sagte der Staatsanwalt. "Es geht immer nur um Herrn Pistorius." Er beschuldigte den angeklagten auch der Lüge: Seine Schilderungen der Tatnacht seien unwahr ebenso wie die über seinen Umgang mit Waffen.

Nel las Kurznachrichten Steenkamps an ihren Freund vor, in denen sie sich enttäuscht und "verängstigt" über Pistorius' Verhalten äußerte. Zudem beklagte sie sich über die Eifersucht ihres Partners. Er habe Steenkamp regelrecht "erniedrigen" wollen: "Tu dies nicht, mach das nicht" - was für Steenkamp wichtig gewesen sei, habe keine Bedeutung gehabt, sagte Nel. Sie solle keinen Kaugummi kauen, ihn nicht am Hals berühren, auf ihren Akzent achten, führte der Staatsanwalt an.

Zum Zeitpunkt des tödlichen Vorfalls kannte sich das Paar seit gut drei Monaten. In den SMS-Nachrichten sei von Liebe nie die Rede gewesen, merkte der Staatsanwalt an. "Ich hatte nie die Gelegenheit, Reeva zu sagen, dass ich sie liebe", räumte Pistorius ein.

"Das Wunder des Schusses, der von ganz allein losgeht"

Nel hatte Pistorius bereits am Mittwoch befragt und dabei auch ein Foto des blutüberströmten Kopfes seiner toten Freundin gezeigt. Der Angeklagte brach dabei erneut in Tränen aus und beteuerte, er habe seine Freundin nicht töten wollen.

In Erklärungsnöte brachte Nel den Angeklagten nun mit der Schilderung einer Episode aus einem Restaurant, als Pistorius im Januar 2013 während eines Abendessens einen Schuss aus der Pistole eines Freundes abgefeuert haben soll. Er habe den Finger nicht am Abzug gehabt, wiederholte Pistorius mehrmals. "Das Wunder des Schusses, der von ganz allein losgeht", sagte Nel sarkastisch. Nach Expertenmeinung sei dies unmöglich.

Steenkamps Mutter June Steenkamp sagte der britischen Zeitung "Daily Mirror", Pistorius sei "vom Helden zum Teufel" geworden. "Er ist eine aggressive Persönlichkeit, gewöhnt daran, Bewunderer um sich zu haben, deshalb muss es jetzt ziemlich anders für ihn sein." Sie wolle sehen, wie er sich verhält, obwohl der Prozess für sie die "Hölle" sei.

wit/dpa/AFP/AP

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jakam 10.04.2014
1. optional
In dubio pro reo...und trotzdem kann ich dem Hr.Pistorius einfach nicht glauben...die Story ist so wahnsinnig unglaubwürdig, vor allem, wenn man den Umstand in Betracht zieht, daß sogar au0erhalb der Beziehung bekannt war, daß man sich teilweise aggressiv gestritten hat und Fr.Steenkamp bereits Angst vor ihm geäussert hatte...einem Buren alter Schule gehört doch alles...auch die Deutungshoheit über die Frau...gruselig das Ganze.
mavericksylt 10.04.2014
2. Ja, gruselig das Ganze...
....abgesehen von den Krokodilstränen halte ich die Einbrechernummer und das geschilderte Badezimmerszenario für absolut unglaubwürdig.
motzbrocken 10.04.2014
3. Aber ja doch
jeder Einbrecher sucht das Badezimmer heim! Grundsätzlich. Immer. Man kann nur hoffen, dass dieser Mörder lebenslänglich in den Knast muss. Wer Waffen besitzt, setzt die auch ein. Es war schon immer so und wird immer so bleiben. Stellt sich die Frage, warum gewisse Bürger sich bis auf die Zähne bewaffnen müssen. Und warum die meisten Waffengesetze lächerlich sind. Und wer daran verdient.
tinosaurus 10.04.2014
4. im Zweifelsfall,
aber hier habe ich keine Zweifel. Die Geschichte, die der Ex-Held der Nation von sich gab, ist einfach erlogen. So gibt es auch klare Gegendarstellungen von glaubhaften Zeugen, die ein ganz anderes Bild zeichnen. Rasend vor Eifersucht hat der selbstverliebte Blade Runner ein junges Leben ausgelöscht und dafür solte er lebenslänglich büßen.
Guitas 10.04.2014
5. Pistorius... und seine "Ausbrüche"...
Zitat von sysopAFP"Es geht immer nur um Herrn Pistorius": Im Mordprozess gegen den Ex-Sprinter-Star, der seine Freundin ermordet haben soll, setzt der Staatsanwalt den Angeklagten massiv unter Druck. Dessen Entschuldigung bei den Eltern der Toten sei ein "Spektakel". http://www.spiegel.de/panorama/justiz/mordfall-reeva-steenkamp-pistorius-prozess-in-suedafrika-a-963669.html
...nochmals: Er, Pisto lenheld, ist ein Schauspieler, Nörgler, Zyniker, Egomane, Nazist, Exentriker, Choleriker... er muss und soll seine Strafe erhalten. Es ist ein Witz zu sagen, dass er keine Gelegenheit fand seiner Freundin zu sagen, dass er sie liebe... Auch das spricht für sich...
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