Mordfall Sonja Ady Angeklagter aus Haft entlassen

Michael B. ist auf freiem Fuß. Gegen den Angeklagten im Mordfall Sonja Ady besteht laut Gericht "kein dringender Tatverdacht mehr". Dem 43-Jährigen wird vorgeworfen, die Schülerin vor 23 Jahren heimtückisch mit mehr als 60 Messerstichen getötet zu haben.

Sonja Ady: Im Alter von 16 Jahren wurde sie ermordet
Polizei

Sonja Ady: Im Alter von 16 Jahren wurde sie ermordet


Verden - Erst fahndete die Polizei jahrzehntelang nach dem Mörder der 16-jährigen Sonja Ady aus Ostendorf bei Bremervörde, jetzt gehen die Verhandlungen gegen den Tatverdächtigen von einer in die nächste Runde: Der wegen Mordes an der Schülerin vor Gericht stehende Michael B. befindet sich nun wieder auf freiem Fuß.

Weil gegen ihn "kein dringender Tatverdacht mehr" besteht, hob die Jugendkammer des Landgerichts Verden am Donnerstag den Haftbefehl gegen den 43 Jahre alten Mann auf, wie eine Gerichtssprecherin sagte. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, die Schülerin vor 23 Jahren heimtückisch mit mehr als 60 Messerstichen getötet zu haben.

Die Kammer begründete die Haftaufhebung unter anderem damit, dass der Angeklagte für den mutmaßlichen Tatzeitpunkt ab 2.00 Uhr in der Nacht zum 23. August 1987 ein Alibi besitzt. Er soll ab 1.45 Uhr mit seiner damaligen Freundin zusammen gewesen sein. Objektive Spuren, die weiterhin einen dringenden Tatverdacht gegen den Mann begründeten, habe die Beweisaufnahme nicht ergeben.

Tötete eine unbekannte Person das Mädchen?

Es erscheine "daher wenigstens als möglich", dass eine unbekannte dritte Person Sonja getötet haben könnte, sagte die Sprecherin. Ein Taxifahrer hatte vor Gericht ausgesagt, dass das Mädchen gegen 1.50 Uhr zwei oder drei Männern hinterhergegangen sei.

Die Staatsanwaltschaft legte vergeblich Beschwerde gegen die Aufhebung der Haft ein. Jetzt muss das Oberlandesgericht Celle über den Haftbefehl entscheiden.

Der 43-Jährige war 2009 vom Landgericht Stade freigesprochen worden. Der Bundesgerichtshof hatte das Verfahren aber zur erneuten Verhandlung an das Landgericht Verden zurückverwiesen. Nach Auffassung des BGH waren zu viele Indizien zugunsten des Angeklagten ausgelegt worden. Der Mann war erst 20 Jahre nach der Tat durch DNA-Spuren ins Visier der Ermittler geraten. Eine Gutachterin hatte jedoch die Zuverlässigkeit der Genspuren angezweifelt.

jjc/dapd



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