Mordfall Sonja Ady Landgericht spricht Angeklagten frei

24 Jahre nach dem Mord an der Schülerin Sonja Ady hat das Landgericht Verden einen früheren Bekannten des Opfers freigesprochen. Am Fundort der Leiche waren Spuren seiner DNA entdeckt worden. Der Mann hatte vor der Tat mit der 16-Jährigen geschlafen.

Sonja Ady: Nach einer Nacht in der Disco wurde sie ermordert
Polizei

Sonja Ady: Nach einer Nacht in der Disco wurde sie ermordert


Verden - Nicht der Angeklagte, sondern ein unbekannter Täter habe Sonja Ady getötet, sagte der Vorsitzende Richter des Landgerichts Verden: 24 Jahre nach dem Mord an der Schülerin aus Ostendorf bei Bremervörde ist ein 43-Jähriger in einem Revisionsprozess erneut freigesprochen worden.

Die Staatsanwaltschaft warf dem Angeklagten vor, als 19-Jähriger seine Disko-Bekanntschaft heimtückisch mit mehr als 60 Messerstichen getötet zu haben. Die Jugendkammer folgte mit ihrem Freispruch der Forderung der Verteidigung. Ein Landwirt hatte die nackte und gefesselte Leiche der 16-Jährigen auf einem Feld im Kreis Rotenburg entdeckt.

Der Mann geriet 21 Jahre nach der Tat ins Visier der Ermittler, weil an einer Socke und einem Strick, mit dem das Opfer gefesselt wurde, seine DNA-Spuren entdeckt worden waren. Er wurde 2008 in seiner Wahlheimat Venezuela verhaftet. Er gab vor Gericht zu, Sonja Ady in der Tatnacht in der Disco getroffen und mit ihr geschlafen zu haben. Den Mord bestritt er.

Eine Gutachterin zweifelte die Zuverlässigkeit der DNA-Spuren an, der Prozess vor dem Landgericht Stade endete mit einem Freispruch. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil jedoch auf. Nach Auffassung des BGH waren zu viele Indizien zugunsten des Angeklagten ausgelegt worden.

Im November 2010 begann vor dem Landgericht Verden der Revisionsprozess, der nun ebenfalls mit einem Freispruch endete. Bereits im Mai wurde der Haftbefehl aufgehoben. Aufgrund der Beweislage sei der 43-Jährige nicht mehr dringend tatverdächtig, hieß es in der Begründung. Die Staatsanwaltschaft hielt dennoch an ihrem Vorwurf fest.

Den Freispruch begründete der Richter unter anderem damit, dass der Angeklagte für die Tatzeit ab 2.00 Uhr in der Nacht zum 23. August 1987 ein Alibi hat. Mehrere Zeugen hätten das Opfer noch lebend gesehen, als der Angeklagte bereits mit seiner damaligen Freundin wieder zusammen war.

hut/dpa/dapd

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