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27. Juni 2019, 12:45 Uhr

Mordfall Lübcke

Täter soll auch Waffen verkauft haben

Der mutmaßliche Mörder von Walter Lübcke hat offenbar auch Waffen verkauft. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt gegen zwei seiner mutmaßlichen Kunden.

Die Vorwürfe gegen Stephan Ernst weiten sich aus. Der mutmaßliche Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hat laut einem Sprecher des Generalbundesanwalts Waffen an zwei Männer verkauft.

Sie sollen nicht an dem Mord an Walter Lübcke beteiligt sein. Daher ermittle nicht der Generalbundesanwalt, sondern die Staatsanwaltschaft Kassel. Von dort hieß es, man ermittle gegen zwei Männer aus dem Raum Kassel wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz. Man sei noch am Anfang. Weitere Angaben machte er nicht.

Der Generalbundesanwalt ermittelt im Fall Lübcke auch gegen Elmar J. und Markus H. - nach einem Hinweis von Ernst. Elmar J. soll ihm die Tatwaffe verkauft haben (lesen Sie hier mehr darüber). Markus H. soll den Kontakt zwischen den beiden vermittelt haben. Die Männer hätten von der rechtsradikalen Gesinnung Ernsts gewusst, sagte der Sprecher der Bundesanwaltschaft. Sie hätten auch in Kauf genommen, dass diese für ein politisch motiviertes Verbrechen eingesetzt werden könnte.

Dennoch gibt es laut dem Sprecher keine Hinweise auf eine rechtsterroristische Vereinigung. Elmar J. und Markus H. hätten nichts von den konkreten Plänen Ernsts gewusst. Sie seien auch nicht in die Ausführung der Tat eingebunden gewesen. Man werde sich allerdings intensiv mit der Frage beschäftigen, in welchem Verhältnis Stephan Ernst, Elmar J., Markus H. und die beiden mutmaßlichen Kunden Ernsts stehen.

Markus H. hat nach SPIEGEL-Informationen seit Längerem Kontakte in die rechtsextreme Szene und war den Behörden in der Vergangenheit einschlägig aufgefallen. So war der 43-Jährige auch 2009 bei einem Sturm von 400 "Autonomen Nationalisten" auf eine Gewerkschaftskundgebung in Dortmund dabei, an dem auch Stephan Ernst teilnahm. Beide wurden damals festgenommen, ein Gericht verurteilte Ernst später wegen Landfriedensbruchs.

SPIEGEL TV hatte seit vergangener Woche mehrfach versucht, Markus H. zu kontaktieren, konnte ihn aber nicht erreichen, an seiner Wohnung in Kassel war er nicht anzutreffen.

Elmar J., den das SEK Hessen festnahm, war den Behörden nach SPIEGEL-Informationen bislang offenbar nicht bekannt. Demnach lagen nach ersten Erkenntnissen weder allgemeinpolizeiliche noch Staatsschutz-Erkenntnisse vor. Das bedeutet, dass er wohl weder als Krimineller noch als Extremist aufgefallen ist. Auch der Verfassungsschutz kannte J. bislang nicht.

Ernst sitzt bereits seit Mitte Juni unter dringendem Tatverdacht in Untersuchungshaft. Der 45-Jährige hat eine lange Vergangenheit als gewaltbereiter Rechtsextremist, er fiel zudem wiederholt mit Gewaltdelikten, Verstößen gegen das Waffengesetz, wegen Eigentumsdelikten sowie gemeingefährlicher Straftaten auf.

jpz/dpa

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