Mordprozess Angeklagter im Fall Mirco ist voll schuldfähig

Das Gutachten beschreibt ihn als "gesunde Normalperson" und "überaus intelligent": Olaf H., mutmaßlicher Mörder des zehnjährigen Mirco, gilt als voll schuldfähig. Die Tat entspreche nicht seiner üblichen Persönlichkeit, so der Sachverständige.

Angeklagter im Mordfall Mirco: "Überdurchschnittlich intelligent"
dapd

Angeklagter im Mordfall Mirco: "Überdurchschnittlich intelligent"


Krefeld - Der wegen des Mordes an dem zehnjährigen Mirco angeklagte Olaf H. ist voll schuldfähig. Der psychiatrische Sachverständige beschrieb ihn am Freitag vor dem Landgericht Krefeld als eine "gesunde Normalperson" mit überdurchschnittlicher Intelligenz. Die Tat korrespondiere nicht mit seiner üblichen Persönlichkeit.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 45 Jahre alten Familienvater Olaf H. Mord aus niedrigen Beweggründen und zur Verdeckung eines sexuellen Missbrauchs vor. Er soll Mirco am Abend des 3. September 2010 beim Radfahren abgefangen, sich an ihm vergangen und dann getötet haben. Über die Zeugenaussagen von Kollegen und Angehörigen versucht das Gericht, das Motiv der Tat zu ergründen.

Olaf H. hatte den Mord an Mirco zwar gestanden, doch dabei widersprüchliche Angaben zum Tatgeschehen gemacht. Zuletzt hatte H. erklärt, Stress bei der Arbeit und ein Konflikt mit seinem Chef hätten ihn zu der Tat getrieben.

Anfang September wurde zudem die geschiedene Ehefrau des Angeklagten angehört. Die 33-Jährige verzichtete auf ihr Schweigerecht und schilderte den Angeklagten als ausgeglichenen, hilfsbereiten "Familienmenschen, für den die Familie alles bedeutet hat".

Ehefrauen bemerkten keine pädophilen Neigungen

Zum Berufsleben ihres damaligen Mannes sagte sie: "Er hat seinen Job gerne gemacht, aber es war schon teilweise recht stressig." Mit seinem Chef in München habe H. Probleme gehabt, die Meinungen hätten oft auseinandergelegen. Er habe sich deswegen auf einen geplanten Jobwechsel innerhalb der Firma gefreut. Ihr Mann habe zu Hause über den Job nicht viel gesprochen.

Olaf H. war insgesamt dreimal verheiratet. Auch die früheren Ehefrauen von Olaf H. charakterisierten ihn als friedfertigen, treusorgenden Familienvater. Sein Sexualleben sei völlig normal gewesen. Keine der Frauen hat ein Anzeichen für pädophile Neigungen bemerkt.

Das Urteil wird voraussichtlich am 29. September verkündet.

jok/dapd



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