Mordprozess Angeklagter schildert Aylas letzte Stunden

In einem Brief an seine Psychologin hat der geständige Täter Mario L. beschrieben, wie sein sechsjähriges Opfer starb. Er habe das Mädchen nur getötet, weil es geschrieen habe. Dass das Kind vergewaltigt und brutal erstochen wurde, erwähnt der Angeklagte nicht.


Zwickau - Er könne nicht erklären, warum er vor Aylas Haus angehalten habe, schreibt der 38-Jährige in dem achtseitigen Brief, aus dem die "Bild"-Zeitung heute Auszüge veröffentlichte. Zufällig sei Ayla, die Tochter einer früheren Freundin, um die Ecke gekommen, ganz spontan habe er das Mädchen "fast widerstandslos in den Kofferraum verbracht". Nach Angaben von "Bild" haben Zeugen dagegen gehört, wie das Mädchen schrie.

Mordopfer Ayla: "Fast widerstandslos"
DPA

Mordopfer Ayla: "Fast widerstandslos"

Erst nach einer Weile habe er begriffen, was er da tue, schreibt Mario L., der die Entführung, den sexuellen Missbrauch und die Tötung des Kindes Ermittlern gegenüber bereits gestanden hat. "Also beschloss ich, an einen ruhigen Ort zu fahren, um mit ihr zu sprechen und sie anschließend zurückzubringen."

Er sei mit Ayla schon auf dem Rückweg gewesen, als ihn ein "heißes Gefühl" überkommen habe. Als L. dann das Kind zu streicheln begonnen habe, sei es plötzlich aus dem Wagen ausgestiegen, behauptet der Angeklagte. In seiner Panik habe er das Mädchen kurz gewürgt, dann aber von ihr abgelassen. "Da fing sie auf einmal an zu schreien, und ich griff zu meinem Messer", zitiert die "Bild"-Zeitung den Mann. Nach einem Schnitt "trat augenblicklich Ruhe ein".

Das Gutachten des Gerichtsmediziners lässt diese Version jedoch fragwürdig erscheinen. Laut "Bild" wurde das Kind vergewaltigt, erstochen und im Genitalbereich verstümmelt.

Mario L., der zuvor wegen Mordes und Kindesmissbrauchs im Gefängnis gesessen hatte, wurde bereits zwölf Stunden nach der Tat festgenommen und legte einen Tag später ein Geständnis ab. Anschließend führte er die Ermittler zu einem Waldstück bei Zwickau, wo Aylas Leiche lag. Die Staatsanwaltschaft wirft Mario L. vor, heimtückisch und aus niederen Beweggründen gehandelt zu haben. Mit dem Mord an Ayla habe der Angeklagte den Missbrauch verdecken wollen. Dem Vater einer knapp zweijährigen Tochter droht bei einer Verurteilung lebenslange Haft.



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