Mordprozess Freund der Angeklagten gibt Brunner Mitschuld

Im Prozess um Dominik Brunners Tod auf einem Münchner S-Bahnhof hat der bereits verurteilte Freund der Angeklagten, Christoph T., ausgesagt. Der 18-Jährige gab dem Manager eine Mitschuld an der tödlichen Schlägerei - und gestand, im Vorfeld der Wortführer gewesen zu sein.

REUTERS

München - Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Reinhold Baier nach seiner Einschätzung der beiden Angeklagten sagte Christoph T., er glaube nicht, dass seine Bekannten auf dem S-Bahnhof Solln ohne "einen ausschlaggebenden Punkt" dermaßen auf den Geschäftsmann eingeprügelt hätten. "Für mich ist dieser ausschlaggebende Punkt der Schlag von Herrn Brunner", fügte Christoph T. am Freitag vor der Jugendkammer des Münchner Landgerichts hinzu.

Laut Anklage haben der 19-jährige Markus Sch. und der 18 Jahre alte Sebastian L. am 12. September auf dem Bahnhof Brunner brutal niedergeprügelt und dabei getötet, weil dieser sich schützend vor vier Jugendliche gestellt hatte. Im Prozess gaben sowohl die Angeklagten als auch einer der Jugendlichen an, dass der erste Schlag von dem Geschäftsmann gekommen sei, der Markus Sch. im Gesicht getroffen habe. Daraufhin sei Sch. ausgerastet.

Christoph T. hat Dominik Brunner nie gesehen und wurde selbst nicht Zeuge der Tat, war aber maßgeblich an der Vorgeschichte beteiligt. Er habe vier Schüler bedroht und Geld verlangt, sagte der 18-Jährige. "Ich habe blöde Sprüche gemacht, wie: 'Gib das Geld her'." Alle seien angetrunken gewesen. Er könne aber das Geschehene bis "heute noch nicht glauben".

Es müsse am 12. September 2009 "etwas passiert sein", dass sich seine Kumpels Markus und Sebastian "so hochgepusht haben", sagte Christoph T. Ausschlaggebend müsse ein erster Schlag von Brunner gewesen sein, meint er. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es sonst so ausgeartet wäre."

Christoph T. hatte an jenem Nachmittag am S-Bahnhof Donnersberger Brücke zwei der Schüler geohrfeigt und Geld verlangt. Dafür war er im April zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Die Angeklagten, mit denen er zechend und kiffend den Vorabend und den Tag verbracht hatte, waren nach seiner Schilderung an seinem Raubversuch nicht beteiligt. Alle drei waren aber "verärgert", dass sie von den Schülern kein Geld bekamen.

Er habe zu seinen Großeltern nach Tutzing am Starnberger See fahren wollen und sich deshalb von den anderen getrennt, sagte Christoph T. Er habe sich mit den Worten verabschiedet: "Haut rein!" Das sei aber keine Aufforderung zum Schlagen gewesen, sondern sollte etwa heißen: "Servus, man sieht sich", sagte der 18-Jährige auf die Frage des Vorsitzenden. Man habe sich am Abend wieder treffen wollen..

jjc/ddp/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.