Mordprozess in Oldenburg Gutachter hält Ex-Krankenpfleger für voll schuldfähig

30 Patienten hat der Ex-Krankenpfleger Niels H. nach eigenen Angaben getötet - und nun auch vor Gericht ein Geständnis abgelegt. Ein Psychiater hält den 38-Jährigen für voll schuldfähig, sieht aber keine Gefahr für einen Rückfall.
Niels H. mit Anwältin: Gutachter sieht Angeklagten als "innerlich vereinsamt"

Niels H. mit Anwältin: Gutachter sieht Angeklagten als "innerlich vereinsamt"

Foto: Ingo Wagner/ dpa

Oldenburg - Ein des Mordes angeklagter früherer Krankenpfleger hat vor dem Landgericht Oldenburg die Vorwürfe gegen ihn eingeräumt. Er bestätigte die Angaben eines Gutachters, mit dem er über die Fälle gesprochen hatte. Das Gericht wertete dies als Geständnis.

Der Psychiater Konstantin Karyofilis hält den heute 38-jährigen Angeklagten für voll schuldfähig. Er sprach sich gegen eine Sicherungsverwahrung aus, weil eine Rückfallgefahr nicht bestehe.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten dreifachen Mord und zweifachen Mordversuch vor. Er soll Patienten am Klinikum Delmenhorst eine Überdosis eines Herzmedikaments gespritzt haben. In den Gesprächen mit dem Gutachter hatte er allerdings 90 Taten zugegeben - bis zu 30 Patienten sollen dabei gestorben sein.

Gutachter Karyofilis und die Staatsanwaltschaft haben unterschiedliche Ansichten zum Tatmotiv. Niels H. habe aus Langeweile Patienten getötet, meinen die Ankläger. Der Gutachter beschrieb den 38-jährigen H. dagegen als zerrissenen Menschen. Nach außen hin habe sich der Angeklagte als starker Retter dargestellt, sagte Karyofilis. Gleichzeitig sei H. innerlich vereinsamt gewesen, habe unter Depressionen und Ängsten gelitten.

Fünfmal hatte sich Karyofilis im Dezember und Januar mit dem Angeklagten getroffen. Er halte dessen Aussagen für glaubwürdig, sagte der Fachmann.

Die Arbeit auf der Intensivstation in Oldenburg und später in Delmenhorst war nach Angaben von Karyofilis für den Pfleger einschneidend. Die Patienten verbrachten dort meist nur kurze Zeit, hingen an Schläuchen und Geräten. Der Angeklagte habe die Menschen nicht mehr als solche wahrgenommen, und gleichzeitig habe es ihm einen Kick gegeben, wenn er bei Notfällen anpacken konnte. Nach den Reanimationen habe der Pfleger sich gut gefühlt, sagte Karyofilis.

ulz/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.