Mordprozess Morsal Obeidi Wichtiger Zeuge verweigert Aussage

Er ist der wohl wichtigste Tatzeuge: Im Prozess um den Mord an der Deutsch-Afghanin Morsal Obeidi hat der Cousin des Mädchens die Aussage verweigert. Er hatte bei der Polizei ausgesagt, das Treffen zwischen der 16-Jährigen und ihrem Bruder arrangiert zu haben.


Hamburg - Er könnte mithelfen aufzuklären, was am Abend des 15. Mai, an dem Morsal Obeidi durch 23 Messerstiche getötet wurde, wirklich geschah - doch er schweigt. Der Cousin von Morsal und ihrem angeklagten 24 Jahre alten Bruder Ahmad berief sich am Freitag vor dem Landgericht Hamburg erfolgreich auf sein Zeugnisverweigerungsrecht.

Nach Ansicht des Vorsitzenden Richters sei nicht ausgeschlossen, dass sich der 17-jährige Zeuge der Beihilfe zu einem Tötungsdelikt oder der unterlassenen Hilfeleistung schuldig gemacht habe.

Der 17 Jahre alte Cousin hatte bei der Polizei ausgesagt, das tödliche Treffen zwischen Morsal und ihrem Bruder am 15. Mai arrangiert zu haben und auch bei der Tat anwesend gewesen zu sein.

Aussage der Freundin des Angeklagten

Trotzdem hatte die Staatsanwaltschaft ihn nicht als möglichen Mittäter angeklagt. Der Vorsitzende Richter äußerte in diesem Zusammenhang scharfe Kritik an der Anklagebehörde.

"Ich verstehe nicht, dass hier noch kein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde. Wennman die Akten liest, drängt sich das förmlich auf", sagte er.

In dem Verfahren muss sich der Bruder von Morsal wegen Mordes verantworten. Er soll die 16-Jährige aus aus Wut über ihren Lebenswandel erstochen haben.

Fortgesetzt wurde der Prozess mit einer hochemotionalen Aussage der Freundin des Angeklagten. "Er hat seine Schwester immer geliebt", sagt die 20-Jährige vor dem Landgericht. Ahmad Obeidi brach während der Aussage in Tränen aus, das Gericht unterbrach die Verhandlung.

Die Studentin berichtete weiter, wie ihr von dem tödlichen Messerangriff auf seine Schwester erzählte: "Ich habe ihn noch nie so erlebt. Er war völlig verstört."

Am Tattag habe eine Bekannte dem Angeklagten erzählt, dass Morsal als Prostituierte arbeiten wolle, berichtete die junge Frau aus den Gesprächen mit dem Angeklagten. Sie vermute, er sei deshalb wütend geworden. Den Angeklagten schilderte sie als aufbrausend und gewaltbereit. "Er war extrem aggressiv. Er war in letzter Zeit noch aggressiver als sonst."

Ahmad Obeidi verweigerte zu Prozessbeginn die Aussage. Die Tat hatte er bei der Polizei gestanden.

han/dpa



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