Mordprozess US-Millionär Durst plädiert auf "nicht schuldig"

Erst verschwand seine Frau spurlos, dann wurde eine Bekannte von ihm erschossen, später fand man Leichenteile seines Nachbarn: Jetzt muss sich Millionär Robert Durst wegen Mordes vor Gericht verantworten.

Robert Durst bei der Anhörung in Los Angeles
REUTERS

Robert Durst bei der Anhörung in Los Angeles


Drei ominöse Todesfälle, ein exzentrischer Millionär unter Tatverdacht und viele offene Fragen: Der 73-Jährige Robert Durst muss sich in Los Angeles wegen Mordes an seiner langjährigen Bekannten Susan Berman verantworten.

Der Millionär bestreitet die Vorwürfe und plädiert laut Staatsanwaltschaft auf "nicht schuldig". "Ich habe Susan Berman nicht getötet", sagte der 73-jährige Immobilienerbe der "Los Angeles Times" zufolge bei einer Anhörung.

Durst war im März 2015 nach jahrzehntelanger Flucht in New Orleans festgenommen und in Kalifornien angeklagt worden. Die Krimi-Autorin Berman hatte man im Jahr 2000 erschossen in ihrer Wohnung in Los Angeles aufgefunden - kurz bevor sie eine Aussage machen sollte zu dem rätselhaften Verschwinden von Dursts erster Ehefrau im Jahr 1982.

Durst wurde in einem Rollstuhl in den Gerichtssaal gebracht. Der gebrechlich wirkende Mann trug eine Nackenschiene. Seinem Anwalt zufolge hat Durst eine Rückenoperation hinter sich. "Wir sind froh, hier zu sein", sagte der Anwalt Dick DeGuerin laut "Los Angeles Times". Durst werde in dem Prozess seine Unschuld beweisen.

Durst saß zuletzt nach einer Festnahme wegen illegalen Waffenbesitzes in New Orleans in Haft. Vorige Woche wurde er in ein Gefängnis in Los Angeles verlegt. Der Mordprozess gegen ihn soll im kommenden Jahr stattfinden. Die nächste Anhörung wurde für Mitte Februar angesetzt.

Gefährliche Selbstgespräche auf der Toilette

Der Millionär wird mit drei Todesfällen in Verbindung gebracht: 1982 verschwand seine Ehefrau Kathleen McCormack spurlos im US-Bundesstaat Vermont. Die Polizei geht davon aus, dass sie tot ist.

Die ermordete Berman kannte Durst seit Studienzeiten in den 1960er Jahren. Die Anklage legt nahe, dass Durst sie aus dem Weg schaffen wollte, weil Berman als mögliche Zeugin im Fall seiner verschwundenen Frau hätte auftreten können.

2001 wurden Leichenteile von Morris Black gefunden, einem damaligen Nachbarn von Durst in Texas. In allen drei Fällen wurde Durst verdächtigt und befragt. Im Fall von Blacks Ermordung kam er vor Gericht, wurde jedoch freigesprochen. Er verteidigte sich damit, in Notwehr gehandelt zu haben.

Durch einen Zufall geriet Durst im März 2015 wieder in den Fokus. Bei einem Fernsehinterview für eine Dokumentation hatte das noch angesteckte Mikrofon ein Selbstgespräch Dursts auf der Toilette aufgefangen. Dabei soll er zu sich selbst gesagt haben: "Nun ist es soweit. Sie haben Dich. Was für ein Desaster. Was zur Hölle habe ich getan? Na klar - ich habe sie alle umgebracht."

Diese dahingemurmelten Sätze wurden als Teil der Dokumentarserie "The Jinx: The Life and Deaths of Robert Durst" beim TV-Sender HBO ausgestrahlt. Die US-Justizbehörden reagierten sofort und nahmen Durst damals in New Orleans fest. Die Staatsanwaltschaft in Los Angeles erhob Anklage und forderte seine Überstellung.

ala/dpa



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