Schweden Rechtspopulistischer Politiker unter Mordverdacht verhaftet

Ein Kommunalpolitiker der rechtspopulistischen Schwedendemokraten sitzt in Untersuchungshaft. Er soll einen Mann ermordet und die Leichenteile in einen Kanal geworfen haben.
Polizeieinsatz in Schweden (Archivbild)

Polizeieinsatz in Schweden (Archivbild)

Foto: Jonas Ekstromer / dpa

In Schweden sitzt ein Kommunalpolitiker der rechtspopulistischen Partei Schwedendemokraten wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft. Es gebe schwerwiegende Beweise, sagte Staatsanwältin Marina Chirakova, wie der Sender SVT  am Samstag berichtete. Der Verdächtige aus der Stadt Nyköping sei älter als 60 Jahre.

Mitte September waren in einem Kanal nahe dem Stockholmer Hauptbahnhof Leichenteile gefunden worden. Verschiedene Medien berichteten, dass ein Taucher die Gliedmaßen bei Reinigungsarbeiten entdeckt hatte. Sie gehörten zu einem Mann um die 60, der vorher vermisst gemeldet worden war.

Polizei nahm den Verdächtigen schon in der vergangenen Woche fest, am Samstag machte die Staatsanwältin Chirakova den Fall öffentlich. Zu möglichen Verbindungen zwischen Opfer und mutmaßlichem Täter äußerte sie sich nicht.

Die Partei hat Wurzeln im Skinhead- und Nazi-Milieu

Der Festgenommene ist Mitglied der rechtspopulistischen Partei Schwedendemokraten und übte ein kommunalpolitisches Amt in der Stadt Nyköping aus, gut hundert Kilometer südlich von Stockholm. Die Schwedendemokraten zeigten sich von den Vorwürfen schockiert. Die Partei nehme die Anschuldigungen sehr ernst und habe die Mitgliedschaft des Mannes ausgesetzt, sagte ein Parteisprecher.

Die Schwedendemokraten gingen Ende der Achtzigerjahre aus einem Zusammenschluss der »Framstegspartiet« (Fortschrittspartei) und der rechtsradikalen Bewegung »Bevara Sverige Svenskt« (Haltet Schweden schwedisch) hervor. Ihre Wurzeln liegen im Skinhead- und Nazi-Milieu. In den vergangenen Jahren versuchte Parteichef Jimmie Åkesson, die Schwedendemokraten von ihrem Schmuddelkinder-Image zu befreien und in eine Regierungskoalition zu führen.

Bei der jüngsten Reichstagswahl 2018 wurde die Partei mit 17,5 Prozent drittstärkste Kraft und schien ein möglicher Königsmacher zu sein. Am Ende aber bildeten die Sozialdemokraten eine Minderheitsregierung mit den Grünen.

mpz/dpa
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