Sexuelle Übergriffe durch Morgan Spurlock "Ich bin Teil des Problems"

Der Skandal um sexuelle Übergriffe durch Filmschaffende weitet sich aus. Der Dokumentarfilmer Morgan Spurlock hat eigene Übergriffe zugegeben. Selbstkritik oder Flucht nach vorne?
Morgan Spurlock (Archivfoto)

Morgan Spurlock (Archivfoto)

Foto: Ilya S. Savenok/ Getty Images

Ein ungewöhnliches Projekt machte Morgan Spurlock 2004 berühmt. Einen Monat ernährte sich der Dokumentarfilmer nur von Fast Food. Das Ergebnis war die Doku "Super Size Me", die ihm eine Oscarnominierung einbrachte. 13 Jahre später steht Spurlock aus einem ganz anderen Grund in den Schlagzeilen: sexuelle Übergriffe.

Anders als Harvey Weinstein, Kevin Spacey und andere Prominente aus der Filmbranche, denen sexuelle Übergriffe vorgeworfen werden, ist Spurlock allerdings selbst an die Öffentlichkeit gegangen. "Ich bin Teil des Problems", lautet der Titel einer Erklärung  des Filmemachers. Mit seinem Schreiben wolle er zur Lösung beitragen, heißt es darin.

Ob Spurlock dabei aufrichtige Selbstkritik und Reue antreibt oder die Sorge, seine Taten aus der Vergangenheit könnten ihn nun einholen und durch andere öffentlich werden, geht aus der Erklärung nicht eindeutig hervor.

Er schaue dabei zu, wie Vorfälle aus der Vergangenheit einen Mann nach dem anderen zu Fall bringen, schreibt Spurlock. Er frage sich dabei nicht: "Wer ist der Nächste?", sondern: "Wann trifft es mich?"

In dem Schreiben schildert der 47-Jährige unter anderem einen Vorfall aus seiner Studentenzeit. Er habe damals einen One-Night-Stand mit einer jungen Frau gehabt. Er habe den Geschlechtsverkehr für einvernehmlich gehalten, die Frau habe aber später von Vergewaltigung gesprochen. Spurlocks Schilderung zufolge wollte die Frau keinen Sex, die beiden schliefen schließlich dennoch miteinander. Während des Geschlechtsverkehrs habe die Frau geweint. Die beiden hätten anschließend aufgehört.

Assistentin für ihr Stillschweigen bezahlt

Ein anderer Vorfall betrifft Spurlocks Verhalten am Arbeitsplatz. Vor Jahren habe er eine Assistentin für ihr Stillschweigen bezahlt, nachdem er sie regelmäßig mit sexuell anzüglichen Worten betitelt habe, schreibt der Dokumentarfilmer. Spurlock habe der Frau Spitznamen wie "Hot Pants" und "Sex Pants" hinterhergerufen. Er habe diese für witzig gehalten. Erst später sei ihm bewusst geworden, wie erniedrigend diese Ausdrücke gewesen seien.

Der Dokumentarfilmer, der zum dritten Mal verheiratet ist und einen elfjährigen Sohn hat, schreibt ferner, dass er in jeder seiner Ehen und Beziehungen untreu gewesen sei.

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Spurlock spekuliert in dem Schreiben auch über mögliche Gründe für sein Verhalten: "Was brachte mich dazu? Ist es alles nur eine Ego-Frage? Oder war es die Tatsache, dass ich als Junge sowie als Teenager sexuell missbraucht wurde?"

Spurlock schiebt auch dem Alkohol eine mögliche Mitschuld zu, wie dies schon andere Prominente nach Vorwürfen wegen sexueller Belästigung getan hatten - und dafür massiv kritisiert worden waren. Spurlock meint, es könne auch daran liegen, dass er mit 13 anfing zu trinken und seit 30 Jahren nicht länger als eine Woche nüchtern war.

Seine Schlussfolgerung: Das Problem sei jedenfalls groß.

Steven Spielberg äußert sich zum Skandal

In diesem Punkt zumindest bekommt der Filmemacher Zuspruch von prominenter Stelle. Bei der Behandlung von Frauen am Arbeitsplatz habe Amerika noch "einen langen Weg" vor sich, sagte Steven Spielberg in einem Interview mit CNN .

"Wir sind nicht annähernd dort, wo wir sein sollten, wenn es um die Beziehung zwischen Männern und Frauen geht, oder etwa bei der Frage, wie Macht genutzt und missbraucht wird", sagte der Regisseur. Seit den Vorwürfen gegen Harvey Weinstein befinde sich Amerika in einer wichtigen Phase der "nationalen Abrechnung".

Die jüngsten Vorwürfe gegen Weinstein und andere hätten ihn "schockiert, aber nicht überrascht", so Spielberg. Man habe diese Dinge "aus dem Augenwinkel" gesehen. Man habe es einfach nicht übersehen können.

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