Moshammer-Prozess Angeklagter bricht vor Gericht zusammen

Der Prozess um den gewaltsamen Tod des Modeschöpfers Rudolph Moshammer hat mit Verwirrungen begonnen. Der sichtlich mitgenommene Angeklagte Herisch A. wich von seinem früheren Geständnis ab und sagte, er habe einen Fehler gemacht. Zu Beginn der Verhandlung brach er zusammen.


München - Der Iraker Herisch A. muss sich vor dem Münchner Schwurgericht wegen Mordes und Raubes mit Todesfolge verantworten. Der Angeklagte hatte nach seiner Festnahme im Januar gestanden, Moshammer im Streit um 2000 Euro für sexuelle Dienste mit einem Stromkabel erdrosselt zu haben. Der Prozess wurde mit Verzögerung eröffnet, weil Herisch A. über Kreislaufprobleme klagte und ärztlich behandelt wurde. Nach Verlesung der Anklage sagte er: "Ich möchte mich ganz herzlich entschuldigen." Er habe einen großen Fehler gemacht. "Ich wollte ihn nicht töten."

Herisch A.: Kreislaufprobleme vor Gericht
DPA

Herisch A.: Kreislaufprobleme vor Gericht

Herisch A. erklärte vor Gericht, Moshammer habe ihn während der Begegnung zum Analverkehr aufgefordert. Als er sich geweigert habe, sei es zum Streit gekommen. Moshammer habe ihn beschimpft und geschlagen. Er habe sich dann gewehrt und zurückgeschlagen. Der Angeklagte sagte, er könne sich an die Details der Tötung nicht mehr genau erinnern: "Mir war schwindlig." Der Iraker sagte weiter, er sei zum Tatzeitpunkt betrunken gewesen. Bevor er von Moshammer mitgenommen wurde, habe er zuhause "vier oder fünf Bier" getrunken. Als er das Haus verließ, habe der Modeschöpfer aber vermutlich noch gelebt. Herisch A. entschuldigte sich vor Gericht mehrfach für die Tat. Es sei aber wohl Schicksal gewesen. "Damit gebe ich mich nicht zufrieden", erklärte der Vorsitzende Richter Manfred Götzl, der sich verärgert zeigte über die Aussage des Angeklagten, der sich vielfach nur auf Nachfrage äußerte. Es gebe logische Widersprüche, sagte Götzl.

Den Ermittlungen zufolge hatte Moshammer den jungen Mann am Abend des 13. Januar am Münchner Hauptbahnhof angesprochen und mit in sein Haus im Nobel-Vorort Grünwald genommen. Nach den vereinbarten sexuellen Handlungen kam es zum Streit um die Bezahlung, in dessen Verlauf A. den 64-Jährigen getötet haben soll.

Herisch A. gab bei der Polizei an, Moshammer ein Kabel um den Hals gelegt und zugezogen zu haben. Den Vorwurf, dem Unternehmer Geld geraubt zu haben, bestritt er. Die Ermittler gehen von Habgier als Tatmotiv aus. A. soll wegen seiner Spielsucht massive Geldprobleme gehabt haben. Der Iraker, der 2001 als Asylbewerber nach Deutschland gekommen war, arbeitete als Aushilfskoch.

Nur einen Tag nachdem Moshammer tot aufgefunden worden war, nahm die Mordkommission Herisch A. fest. Dieser hatte sich den Schädel kahl rasiert, um nicht erkannt zu werden. Die Ermittler waren ihm mit Hilfe von DNA-Material am Tatort auf die Spur gekommen. Sein genetischer Fingerabdruck war in den Datenbanken der Fahnder gespeichert, weil gegen den 25-Jährigen 2004 wegen Körperverletzung und Vergewaltigung ermittelt worden war.

Ob es sich bei der Tat um Mord oder Totschlag handelt, muss das Gericht klären. Bei Mord droht lebenslange Haft, bei Totschlag fünf bis maximal 15 Jahre Freiheitsstrafe. 42 Zeugen und fünf Sachverständige will die Kammer hören, darunter einen Psychiater und einen Rechtsmediziner. Der Prozess ist auf zehn Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil wird voraussichtlich am 16. November gefällt werden - am 26. Geburtstag von Herisch A.



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