Mounir al-Motassadeq Hamburg schiebt 9/11-Terrorhelfer ab

Die Stadt Hamburg schiebt den 9/11-Helfer Motassadeq nach Marokko ab. Nach SPIEGEL-Informationen brachte ihn die Bundespolizei per Helikopter nach Frankfurt, von dort geht es per Linienmaschine nach Casablanca.

Mounir al-Motassadeq
AP Photo/Fabian Bimmer

Mounir al-Motassadeq

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Ein verurteilter Helfer der 9/11-Terrorkommandos wird am Montagabend von Deutschland nach Marokko abgeschoben. Nach SPIEGEL-Informationen startete gegen 12 Uhr in Hamburg ein "Super Puma"-Helikopter der Bundespolizei, der den Marokkaner Mounir al-Motassadeq nach Frankfurt flog. Motassadeq war gefesselt und trug eine Sichtmaske, er wurde von bewaffneten Spezialkräften eskortiert.

Von Frankfurt dann sollen mehrere Polizisten Motassadeq auf einem Linienflug der Royal Air Maroc nach Casablanca begleiten. Für den 44-Jährigen war laut der Passagierliste der Airline ein Mittelplatz in der Reihe 32 reserviert. Marokko hatte darauf bestanden, dass Motassadeq in einer Linienmaschine und nicht in einem Charterjet fliegt.

Mounir el Motassadeq, Polizisten in Hamburg
AP

Mounir el Motassadeq, Polizisten in Hamburg

Der wegen Beihilfe zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001 zu 15 Jahren Haft verurteilte Motassadeq saß bis zuletzt in der Hamburger Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel, er hat seine Haftzeit bis auf wenige Monate abgesessen.

2007 hatte ihn das Oberlandesgericht nach einem Marathonprozess für schuldig befunden, die Hamburger Terrorzelle rund um Mohammed Atta bei ihren Plänen für die Anschläge am 11. September 2001 unterstützt zu haben.

Die Stadt Hamburg hatte alles daran gesetzt, den Marokkaner direkt nach Haftentlassung abzuschieben, erst vergangene Woche allerdings waren die nötigen Unterlagen, konkret ging es um Passersatzpapiere, aus Marokko eingetroffen.

Was mit Motassadeq in Marokko passiert, ist nicht ganz klar. In Sicherheitskreisen hieß es, die dortigen Behörden würden ihn vermutlich erstmal in Empfang nehmen. Ein neues Verfahren gegen ihn aber gilt als unwahrscheinlich.

"Islamistisch-dschihadistische Einstellung"

Motassadeq kommt aus einer gut situierten Familie in Marokko. Ob seine russischstämmige Ehefrau, mit der Motassadeq zwei Kinder in Hamburg hat, auch nach Marokko ausreist, war zum Zeitpunkt der Abschiebung ebenfalls nicht klar.

Der Prozess gegen Motassadeq war einer der ganz wenigen juristischen Aufarbeitungen der Terroranschläge in den USA. Schnell nach den Anschlägen war der Marokkaner ins Visier der Ermittler geraten, da er in der Wohnung der späteren Attentäter in der Marienstraße in Hamburg-Harburg ein- und ausging.

Mohammed Atta, einen der Todes-Piloten, traf Motassadeq schon zwei Jahre nachdem er 1993 mit einem Studentenvisum nach Deutschland gekommen war in Hamburg.

Gemeinsam mit mehreren anderen Verschwörern aus Deutschland - darunter auch der bis heute in Guantanamo Bay inhaftierte Ramzi Binalshibh - reiste Motassadeq im Jahr 2000 nach Afghanistan. Dort, so jedenfalls stellt es das Urteil fest, trafen sie hochrangige Führer der Terrorgruppe al-Qaida und schworen Osama bin Laden die ewige Treue. Die Ermittler nehmen an, dass die Gruppe schon damals für Anschläge im Westen ausgesucht wurde.

Motassadeq hat immer bestritten, dass er Teil des tödlichen 9/11-Plans war. Die Ankläger hingegen belegten vor Gericht, dass er die Attentäter aus Hamburg heraus unterstützte, als diese bereits in den USA waren und sich dort in Flugschulen rudimentäre Pilotenkenntnisse aneigneten. Motassadeq organisierte von daheim aus, dass Atta und Co. das Geld nicht ausging, zudem verschleierte er bei den Behörden, dass seine Freunde im Ausland waren.

Der Marokkaner selbst kam wohl für eine tragende Rolle nicht in Frage. Vor Gericht wirkte der schmächtige Motassadeq eher hilflos als gewaltbereit, auch seine Verteidiger erlebten ihn als höflich und wenig radikal. In der Haft, so jedenfalls interne Papiere, verhielt er sich vorbildhaft, spielte in der Gefängnismannschaft Fußball.

Der Prozess zeigte aber auch, wie schwierig die Verurteilung eines Terrorunterstützers ist. Zunächst verurteilte ihn das Oberlandesgericht nach gut sechs Monaten Prozessdauer zu 15 Jahren, dieses Urteil wurde aber 2004 vom Bundesgerichtshof aufgehoben. Bei einem zweiten Anlauf 2005 kam eine siebenjährige Haftstrafe heraus, auch dieses Urteil hielt jedoch einer Revision nicht stand. Im Januar 2007 dann gab es erneut 15 Jahre.

Zwischenzeitlich hatte Motassadeq um eine frühzeitige Freilassung bemüht, die jedoch abgelehnt wurde. Er habe sich in der Haft zwar gut verhalten, sei aber noch sehr beeinflussbar und nicht von seiner "islamistisch-dschihadistischen Einstellung" abgerückt.

Video: Chronik des 11. September 2001

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