Mutmaßliche Vergewaltigung in Mülheim an der Ruhr Inhaftierter 14-Jähriger nahm an Präventivmaßnahme teil

Ein Tatverdächtiger im Mülheimer Vergewaltigungsfall nahm an der Maßnahme "Kurve kriegen" teil. Man habe ihn aus "dem Strudel einer Intensivtäterschaft" herausholen wollen, sagt der Stadtsprecher.

Fünf Kinder und Jugendliche sollen in Mülheim an der Ruhr eine junge Frau vergewaltigt haben
Caroline Seidel/DPA

Fünf Kinder und Jugendliche sollen in Mülheim an der Ruhr eine junge Frau vergewaltigt haben


Ein 14-Jähriger, der in Mülheim an der Ruhr an einer Vergewaltigung beteiligt gewesen sein soll, hat laut Stadtverwaltung seit 2018 an einer Präventivmaßnahme teilgenommen. Der Tatverdächtige befinde sich in der Maßnahme "Kurve kriegen", "um ihn aus dem Strudel einer Intensivtäterschaft herauszuholen", sagte Stadtsprecher Volker Wiebels.

Insgesamt drei 14-Jährige und zwei Zwölfjährige stehen im Verdacht, am Freitagabend in Mülheim eine junge Frau in einem Waldstück vergewaltigt zu haben. Bei allen Tatverdächtigen handelt es sich nach Polizeiangaben um bulgarische Staatsangehörige. (Lesen Sie hier einen Überblick zu dem Fall.)

Die gesamte Familie des in Haft sitzenden Jugendlichen werde schon seit 2018 durch die Organisation "Plan B" betreut, sagte Stadtsprecher Wiebels. Auch habe es im Vorjahr einen runden Tisch aller beteiligten Institutionen gegeben. Daran seien unter anderem Jugendamt, Polizei und die Schule des 14-Jährigen beteiligt gewesen.

Gegen den Jugendlichen war am Montag wegen Wiederholungsgefahr Untersuchungshaft angeordnet worden. Er soll in der Vergangenheit in noch strafunmündigem Alter zweimal wegen sexueller Belästigung aufgefallen sein, hatte die Staatsanwaltschaft mitgeteilt.

"Kurve kriegen" wurde 2011 ins Leben gerufen. Die Initiative der Landesregierung Nordrhein-Westfalens soll mehrfach tatverdächtigen Kindern und Jugendlichen im Alter von acht bis 15 helfen, Wege aus der Kriminalität zu finden. Bei der Maßnahme arbeiten pädagogische Fachkräfte mit der Polizei zusammen.

Dem Stadtsprecher zufolge steht das Jugendamt mittlerweile in Kontakt mit den Familien von allen fünf Tatverdächtigen: "Heute haben alle Familien sehr bereitwillig mit uns zusammengearbeitet." Beim Versuch einer Kontaktaufnahme am Montag hatte mindestens eine Familie die angebotene Hilfe noch abgelehnt.

Das Jugendamt habe sich nun in den Wohnungen der Familien ein Bild davon gemacht, dass das Kindeswohl der Verdächtigen und ihrer Geschwister nicht gefährdet sei. "Wir werden jetzt individuell für jede Familie Hilfestellungen anbieten", sagte Wiebels. Die Familien sollen "engmaschig" betreut werden. Denkbar seien etwa Beratungsgespräche, psychologische Betreuung oder Familienhilfe zur Alltagsbegleitung.

"Teilweise hat man gemerkt, dass die Erziehungsberechtigten sogar ganz froh waren, dass jetzt professionelle Hilfe kommt", sagte der Stadtsprecher. Auch eine intensive Betreuung des Opfers und dessen Familie durch die Stadt sei gewährleistet. Aus Gründen des Opferschutzes geben die Behörden nur wenige Details zu der jungen Frau bekannt.

Die Polizei in Mülheim ermittelt außerdem in einem Fall mutmaßlicher sexueller Belästigung einer Jugendlichen am Sonntag. Laut Duisburger Staatsanwaltschaft soll sie von fünf Tatverdächtigen eingekreist worden sein. Zwei der fünf sollen das Mädchen dann unsittlich angefasst haben.

bbr/dpa

TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.