Prozessauftakt in München Angeklagter bestreitet, verschwundene Mutter und Tochter getötet zu haben

Er soll seine Frau und seine Stieftochter getötet haben: In München muss sich ein Mann wegen Mordes und Totschlags verantworten. Vor Gericht präsentiert der Angeklagte allerdings seine eigene Version.
Der Angeklagte beim Prozessauftakt in München

Der Angeklagte beim Prozessauftakt in München

Foto: Britta Schultejans / dpa

Nachdem eine Mutter und ihre Tochter aus München vor mehr als einem Jahr spurlos verschwunden waren, steht nun ein 45-Jähriger vor Gericht. Der Mann soll seine Frau und Stieftochter ermordet und die Leichen der beiden versteckt haben. Zum Auftakt des Prozesses am Landgericht München I hat der Mann die Vorwürfe dementiert.

Der Mann bestritt, mit dem Verschwinden der "Mädchen", wie er Frau und Stieftochter nennt, etwas zu tun zu haben. "Das, was mir vorgeworfen wird, dazu habe ich überhaupt keinen Bezug", sagte er - mithilfe eines Dolmetschers. "Außerdem gehe ich davon aus, dass die Mädchen immer noch leben - zumindest meine Frau."

Die Gründe für seine Annahme wollte er nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit darlegen, weil "sonst eine Bedrohung für die beiden Frauen" entstehen könne. Das Gericht lehnte das ab. Für den Ausschluss der Öffentlichkeit gebe es keine Grundlage.

Es ist ein Mordprozess ohne Leiche

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 45-Jährige die beiden Frauen nacheinander "am ehesten durch massive, stumpfe Gewalt gegen den Kopf" tötete. Danach fuhr er laut Anklage in einen Baumarkt, kaufte Farbe und strich zwei Wände im Flur und im Wohnzimmer. Außerdem entfernte er - so sieht es die Anklagebehörde - einen Wohnzimmerteppich und eine Fußmatte aus dem Flur.

Diese fand die Polizei später - mit dem Blut der beiden mutmaßlichen Opfer verschmiert - in einem Waldstück. Es sind die Hauptindizien in dem Mordprozess ohne Leiche.

Für die Blutspuren präsentierte der Angeklagte seine eigene Version: Mutter und Tochter hätten am Tag ihres Verschwindens so heftig gestritten, dass sie sich gegenseitig blutige Wunden zugefügt hätten. Seine Frau habe "auf dem Hinterkopf eine blutende Beule" gehabt, die Tochter eine blutige Nase. Die Tochter habe die Mutter gewürgt. Beide seien kaum ansprechbar gewesen, darum wisse er nicht, was los gewesen sei. "Sie befand sich in einem depressiven Zustand, sie hatte Blutspuren an sich und ich war gezwungen, sie kalt abzuduschen, damit sie wieder zu sich kam", sagte er über seine Frau.

Danach seien Mutter und Tochter zusammen weggegangen - zum Ex-Partner und leiblichen Vater vielleicht, wie er angenommen habe. Er habe dann das Blut weggewischt, Wäsche gewaschen ("weil ich weiß, dass frisches Blut sich leichter wegwaschen lässt als getrocknetes") und die Wände gestrichen. Auch Teppich und Fußmatte habe er entsorgt, weil es nicht möglich gewesen sei, sie zu reinigen. Als Grund dafür, dass er sie nicht in die Mülltonne, sondern ins Unterholz warf, gab er Mülltrennung an. Er habe "jetzt erst begriffen, dass er die Teppiche in den Restmüll hätte werfen können".

Bei der Polizei, wo er die beiden im vergangenen Jahr als vermisst gemeldet hatte, hatte der Mann angegeben, die Stimmung sei gut, Mutter und Tochter auf dem Weg zum gemeinsamen Shoppen gewesen, bevor ihre Spur sich verlor. Als Grund für die frisch gestrichenen Wände hatte er damals angegeben, sie seien dreckig gewesen. Ermittler fanden dann allerdings Blutspuren unter der weißen Farbe.

Seine Situation habe sich seitdem geändert, erklärte der Angeklagte die offensichtlichen Widersprüche in seinen Aussagen. Damals bei der Polizei sei er noch davon ausgegangen, "dass die Frauen nach ein paar Tagen oder nach einer Woche zurückkehren und dann alles selbst erklären können", sagte er. "Jetzt ist es offensichtlich, dass die Situation nicht mehr so aussieht." Richter Riedmann sagte dazu: "Etwas provokant müsste man fragen, ob die andere Situation darauf beruht, was in den Akten als Ermittlungsergebnis steht."

"Das ist der Mega-Gau und der schlimmste aller Zustände, wenn man nicht weiß, was mit seiner Tochter passiert ist"

Antje Brandes, Rechtsanwältin

Die Rechtsanwältin Antje Brandes, die den als Nebenkläger auftretenden leiblichen Vater des verschwundenen Mädchens vertritt, wurde deutlicher und nannte die Ausführungen des Angeklagten "völlig unglaubwürdig". "Er weiß, was für Beweismittel im Raum stehen", betonte sie.

Sie hoffe, "dass der Angeklagte sich umentscheidet", ein Geständnis ablege und sage, was mit der Tochter ihres Mandanten und deren Mutter passiert ist. Traurige Gewissheit sei besser als quälende Ungewissheit. "Das ist der Mega-Gau und der schlimmste aller Zustände, wenn man nicht weiß, was mit seiner Tochter passiert ist."

svv/dpa
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