Bayern Drogenskandal bei Münchner Polizei – mittlerweile 30 Beschuldigte

Kokain, extremistische Chats, Körperverletzung: Der Skandal um die Münchner Polizei weitet sich aus – es geht längst nicht mehr ausschließlich um Drogen.
Das Polizeipräsidium in München (Archivbild)

Das Polizeipräsidium in München (Archivbild)

Foto: Peter Kneffel / dpa

Sie sollen gekokst, gedealt und es auch sonst mit dem Gesetz nicht allzu genau genommen haben: Der Skandal bei der Polizei in München nimmt immer größere Ausmaße an. Mittlerweile stehen laut dem Bayerischen Landeskriminalamt (LKA) 30 Beamte unter Verdacht. Sie sollen Drogen konsumiert und an Kollegen weitergegeben haben.

Seit Juli 2018 ermitteln das LKA und die Staatsanwaltschaft München I in dem Fall, der immer weitere Kreise zog und auch im Landtag behandelt wurde. Zuletzt war von 21 Beschuldigten aus dem Polizeipräsidium München und der Bayerischen Bereitschaftspolizei die Rede gewesen.

Inzwischen zählen die Ermittler nun 26 Beschuldigte aus dem Polizeipräsidium München, ein Schwerpunkt ist die Polizeiinspektion 11 in der Altstadt. Zwei weitere Beschuldigte sind Angehörige der Bayerischen Bereitschaftspolizei, je ein Tatverdächtiger gehört zum Polizeipräsidium Oberbayern Nord und zum Polizeipräsidium Schwaben Nord.

»Der Ermittlungsschwerpunkt liegt weiterhin auf den Verstößen nach dem Betäubungsmittelgesetz«, heißt es in einer LKA-Mitteilung . Gegen einzelne Beschuldigte werde zudem wegen des Verdachts der Strafvereitelung im Amt, der Verfolgung Unschuldiger, der Körperverletzung im Amt und des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ermittelt.

»Soko Nightlife« wertet Millionen Dateien aus

»Die individuellen Tatbeteiligungen der beschuldigten Beamten sind weiterhin noch offen und Gegenstand der Ermittlungen«, teilte das LKA mit. Der Vorwurf des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisation beziehe sich auf Inhalte, die drei Beamte jeweils in Einzelchats ausgetauscht hätten.

Bislang haben die gut 20 Ermittlerinnen und Ermittler der »Soko Nightlife« den Angaben zufolge mehr als dreieinhalb Millionen Chatnachrichten, mehr als drei Millionen Bilder und gut 75.000 Videodateien ausgewertet. »Die Größe der sichergestellten Datenspeicher umfasst mehr als 6,5 TB (Terabyte)«, hieß es vom LKA.

Nach früheren Erkenntnissen sollen die Beschuldigten mindestens seit 2018 in die Drogenszene verwickelt gewesen sein. Die Vorwürfe kamen nur ans Licht, weil ein mutmaßlicher Drogendealer über seine mutmaßlichen Kunden in Uniform auspackte. Die Polizisten sollen die Rechtsverstöße überwiegend beim Feiern in ihrer Freizeit begangen haben.

»Die im Raum stehenden Vorwürfe sind mit unserem Selbstverständnis und auch mit der berechtigten Erwartungshaltung der Bürgerinnen und Bürger an ihre Polizei absolut unvereinbar«, sagte der Münchner Polizeipräsident Thomas Hampel. Im Anschluss an die strafrechtliche Aufarbeitung werde das Polizeipräsidium mit aller Konsequenz geeignete Disziplinarmaßnahmen durchführen.

wit/dpa
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