Urteil in München Falsche Impfnachweise aus der Apotheke – mehrere Jahre Haft für Duo

Ein Gericht in München hat eine Apothekenmitarbeiterin schuldig gesprochen, mehr als tausend Corona-Impfzertifikate gefälscht zu haben. Diese verkaufte ein Komplize im Darknet – er muss ebenfalls ins Gefängnis.
Gerichtsgebäude in München

Gerichtsgebäude in München

Foto: Matthias Balk / dpa

Wegen falscher Corona-Impfnachweise in mehr als tausend Fällen ist eine Mitarbeiterin einer Münchner Apotheke zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Für einen ebenfalls angeklagten Bekannten der Frau, der die Impfzertifikate verkauft haben soll, verhängte das Landgericht München I eine Freiheitsstrafe von vier Jahren unter anderem wegen Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass das Duo 2021 über mehrere Monate hinweg im großen Stil Impfzertifikate gefälscht hat. Diese bot der Mann demnach im Darknet zum Verkauf an, insgesamt soll er so mehr als 130.000 Euro eingenommen haben.

Die Apothekenmitarbeiterin und der Mann hätten eine kurze Affäre im Jahr 2017 gehabt und danach eine toxische Beziehung geführt. Die Frau habe immer wieder versucht, sich die Zuneigung des Mannes durch finanzielle Gefallen zu sichern.

»So gehört sich das«

Dass die Apothekenmitarbeiterin eine niedrigere Haftstrafe bekam als ihr Komplize, lag nach Angaben des Gerichts auch an ihrem frühzeitigen Geständnis. »So gehört sich das«, sagte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung. Der 37-Jährige sei dagegen mit höherer krimineller Energie vorgegangen und habe finanziell allein von den systematischen Fälschungen profitiert.

Das Gericht verurteilte den Mann auch dazu, knapp 100.000 Euro von seinen Einnahmen zurückzuzahlen. Dokumente gefälscht hatte er nach Auffassung des Gerichts zudem schon vor dem Verkauf der Impfzertifikate. Weil er sich mit gefälschten Zeugnissen und Zertifikaten Jobs als Mediengestalter erschlichen hatte, verurteilte ihn das Landgericht auch wegen Betrugs.

Die ersten gefälschten Impfnachweise soll die verheiratete 53-Jährige unentgeltlich für den Mann und dessen damalige Verlobte ausgestellt haben. Im Anschluss daran habe das Duo gemeinsam den Entschluss gefasst, die Impfzertifikate zu gewerblichen Zwecken zu fälschen, hieß es. Dafür hätten die beiden einen Computer in der Apotheke genutzt, in der die Frau angestellt war.

Während die Staatsanwaltschaft hervorhob, dass die Angeklagten sich zur Hochphase der Pandemie anders als »99 Prozent aller Menschen« über Coronabeschränkungen hinweggesetzt und mit ihren Fälschungen die Gesundheit anderer gefährdet hätten, spielte die Verteidigerin des Mannes diese Gefahr herunter.

Sie und der Anwalt der Frau hatten eine Bewährungsstrafe für ihre Mandanten gefordert. Die Staatsanwaltschaft dagegen plädierte auf vier Jahre und zehn Monate Haft für den Angeklagten sowie auf vier Jahre Haft für die Apothekenmitarbeiterin.

wit/dpa
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