NSU-Prozess Bundesanwaltschaft plant 22-Stunden-Plädoyer

Der NSU-Prozess steuert nach mehr als 370 Verhandlungstagen auf sein Ende zu. Wegen der geplanten Länge der Schlussvorträge wollen die Verteidiger zu technischen Mitteln greifen.

Beate Zschäpe im Gerichtssaal (Archiv)
REUTERS

Beate Zschäpe im Gerichtssaal (Archiv)


Mehr als vier Jahre nach Beginn des NSU-Prozesses hat das Oberlandesgericht München mit der Planung der Plädoyers begonnen. Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl forderte am 373. Verhandlungstag die Prozessparteien dazu auf, den Umfang ihrer Schlussvorträge abzuschätzen.

Bundesanwalt Herbert Diemer sagte, die Anklagebehörde sei vorbereitet: "Wir können morgen beginnen." Das Plädoyer der Bundesanwaltschaft werde schätzungsweise 22 Stunden in Anspruch nehmen.

Beate Zschäpes Pflichtverteidiger Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm stellten in dem Zusammenhang den Antrag, den Schlussvortrag der Bundesanwaltschaft aufzeichnen zu lassen. Alle Angeklagten schlossen sich mit ihren Verteidigern der Forderung an.

Nach der Bundesanwaltschaft sollen laut Richter Götzl die Nebenkläger das Wort erhalten, anschließend die Verteidiger. Das werde voraussichtlich aber erst nach der Sommerpause passieren. Letzter bisher geplanter Verhandlungstag vor den bayerischen Sommerferien ist der 1. August.

Die Verteidiger des in dem Verfahren mitangeklagten Ralf Wohlleben beantragten, ihren Mandanten nach fünf Jahren und acht Monaten aus der Haft zu entlassen. Er war im Zusammenhang mit der Enttarnung des "Nationalsozialistischen Untergrunds" 2011 ebenfalls gefasst worden.

Die Hauptangeklagte Beate Zschäpe hatte fast 14 Jahre mit den Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Untergrund gelebt. Die beiden Männer sollen während dieser Zeit zehn Menschen ermordet haben, neun aus rassistischen Motiven. Zschäpe ist als drittes und einzig überlebendes Mitglied des NSU wegen Mittäterschaft an allen Verbrechen angeklagt.

apr/dpa



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