Urteil in München Mann tötete Frau und Stieftochter – 14 Jahre und sechs Monate Haft

Im Sommer 2019 verschwanden eine Frau und ihre Tochter. Die Leichen der beiden wurden nie gefunden. Doch nun ist ein 46-Jähriger wegen Totschlags verurteilt worden. Er will gegen das Urteil vorgehen.
Angeklagter vor Gericht (Archivbild)

Angeklagter vor Gericht (Archivbild)

Foto: Matthias Balk / picture alliance/dpa

Mehr als anderthalb Jahre nach dem Verschwinden einer Frau und ihrer Tochter hat das Landgericht München I den Ehemann und Stiefvater zu 14 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Es sprach den Mann des Totschlags schuldig. Die Leichen der beiden Frauen wurden nie gefunden.

»Nach der Beweisaufnahme sind wir überzeugt, dass die beiden Frauen tot sind«, sagte der Vorsitzende Richter Norbert Riedmann zum Ende des Indizienprozesses. »Die Kammer ist davon überzeugt, dass der Angeklagte am 13. Juli 2019 die beiden Frauen umgebracht hat.«

Die Hauptbeweismittel waren zwei Teppiche aus der Wohnung der Familie, die mit dem Blut von Mutter und Tochter verschmiert im Unterholz des Truderinger Forst im Münchner Osten versteckt wurden. Dort vermuten die Ermittler auch die Leichen von Mutter und Tochter. An den Wänden im Flur, an Waschmaschine und Trockner, in der Tiefgarage, am Auto des Angeklagten und an seinen Socken fanden sich Blutspuren.

Letzte WhatsApp-Nachricht der Tochter: »Ich schreib dir gleich zurück«

Er selbst veränderte im Laufe der Ermittlungen seine Version der Ereignisse. Bei der Polizei gab er an, der Tag des Verschwindens sei völlig harmonisch gewesen, als die beiden Frauen zum Shoppen aufbrachen. Vor Gericht sagte er, sie hätten sich – nachdem sie erst friedlich zusammen zu Mittag gegessen hätten – plötzlich so schwer gestritten, dass sie sich gegenseitig blutige Verletzungen zuführten. Danach hätten sie sich gegenseitig die Haare gerichtet und seien gemeinsam zum Shoppen aufgebrochen.

»Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Aussage nach dem Studium der Akten an die Ermittlungsergebnisse angepasst wurde«, sagte Riedmann. Durch die beiden unterschiedlichen Versionen würden die Angaben des Angeklagten noch unglaubwürdiger, als sie ohnehin schon seien. »Wir halten es kaum für nachvollziehbar, dass aus einem harmonischen Mittagessen binnen weniger als einer Stunde ein Streit zwischen den beiden Frauen entsteht, der mit blutenden Verletzungen endet«, sagte Riedmann – und dass »die sich dann gegenseitig die Haare richten und gemeinsam zum Einkaufen gehen, als sei nichts passiert«.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der heute 46-Jährige erst im Streit seine Frau und danach dann seine Stieftochter umbrachte, als sie nach Hause kam. Eine WhatsApp-Nachricht der 16-Jährigen an eine Freundin von 12.02 Uhr am Tattag ist das letzte Lebenszeichen der Jugendlichen. »Ich schreib dir gleich zurück«, hieß es darin.

Der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer eine Verurteilung des Mannes wegen Totschlags an der Mutter und Mordes an der Tochter gefordert. Die Tochter habe sterben müssen, weil sie eine unliebsame Zeugin des Verbrechens an ihrer Mutter geworden sein. Die Verdeckung einer Straftat gilt als Mordmotiv.

Zweifel am Ablauf

Diese Version hält zwar auch das Gericht für die wahrscheinlichste. Dass die Nachricht um 12.02 Uhr das letzte Lebenszeichen der Jugendlichen war, spreche dafür, »dass ihr Tod sehr kurze Zeit unmittelbar nach Betreten der Wohnung eingetreten ist«, sagte Riedmann. »Wie und auf welchem Weg wissen wir aber auch nicht.« Es blieben Zweifel am genauen Ablauf.

Die Staatsanwaltschaft will nach Angaben einer Sprecherin die schriftliche Urteilsbegründung abwarten, bevor sie entscheidet, ob sie Rechtsmittel gegen das Urteil einlegt. Der Angeklagte will in Revision gehen. Er hatte Freispruch gefordert und die Vorwürfe gegen ihn bestritten.

Bei Totschlag liegt der Strafrahmen zwischen fünf und 15 Jahren. Das Gericht hielt dem Angeklagten lediglich zugute, dass er nicht vorbestraft ist.

bbr/dpa
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