Deal in Aussicht gestellt Neonazis von »Blood & Honour« bekommen voraussichtlich maximal Bewährungsstrafen

Der Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder des Neonazi-Netzwerks »Blood & Honour« endet wohl mit einer sogenannten Verständigung: Die Angeklagten räumen die Taten ein – dafür bekommen sie vergleichsweise milde Strafen.
Angeklagte im Gerichtssaal in München (20. Juni)

Angeklagte im Gerichtssaal in München (20. Juni)

Foto: Peter Kneffel / dpa

Der Münchner Prozess gegen mutmaßliche Funktionäre und Mitglieder des verbotenen Neonazi-Netzwerks »Blood & Honour« endet für die Angeklagten voraussichtlich maximal mit Bewährungsstrafen oder mit Geldstrafen. Dies stellte das Landgericht München I den Männern nach einer Reihe nicht öffentlicher Gespräche in Aussicht. Alle Angeklagten und die Generalstaatsanwaltschaft München stimmten dem Verständigungsvorschlag des Gerichts anschließend zu.

Der mutmaßliche »Divisionschef Deutschland« kann demnach bei einem Geständnis mit einer Freiheitsstrafe auf Bewährung zwischen einem Jahr und acht Monaten und einem Jahr und elf Monaten rechnen. Vier weiteren Angeklagten stellte der Vorsitzende Richter Norbert Riedmann ebenfalls Bewährungsstrafen in Aussicht – jeweils mit einer Bewährungszeit von drei Jahren. Vier Angeklagte können mit Geldstrafen rechnen. Voraussetzung ist in allen Fällen, dass die Männer die Anklagevorwürfe vollständig einräumen. Das Verfahren gegen einen weiteren Angeklagten stellte das Gericht, nachdem dieser ein Geständnis abgelegt hatte, gegen Zahlung einer Geldauflage umgehend ein.

Die zehn angeklagten Männer sollen die im September 2000 vom Bundesinnenministerium verbotene Organisation »Blood & Honour« fortgeführt und rechtsextremistisches Gedankengut verbreitet haben. Einige der Angeklagten sollen etwa Musik-CDs mit verbotenem Rechtsrock und Merchandising-Artikel mit verbotenen rechtsradikalen Symbolen verkauft und an Rechtsrock-Konzerten teilgenommen haben. Unter den Angeklagten befinden sich laut Generalstaatsanwaltschaft »Sektionschefs« aus Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen.

Das Verfahren für einen Deal ist in der Strafprozessordnung geregelt. Bei einer solchen Verständigung einigen sich die Richter mit den Beteiligten darauf, wie das Urteil in etwa ausfällt. Voraussetzung ist in aller Regel, dass sich die Angeklagten zu einem Geständnis bereit erklären. Das Gericht kann dann sagen, in welchem Rahmen sich die zu erwartende Strafe bewegen wird. Der Deal kommt zustande, wenn die Angeklagten und die Staatsanwaltschaft zustimmen. Dies spart den Beteiligten viel Zeit, weil sich die Beweisaufnahme deutlich abkürzt.

bbr/dpa
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