Polizist in München vor Gericht »Wir haben zusammen gefeiert, wir haben zusammen Drogen konsumiert«

Ein inzwischen suspendierter Beamter hat gestanden, Kokain konsumiert und an Kollegen weitergegeben zu haben. Auch seinen Dealer warnte der Mann. Schuld, so der 28-Jährige, sei auch eine Doppelbelastung gewesen.
Vor dem Münchner Amtsgericht hat am Mittwoch der Prozess gegen einen suspendierten Polizeibeamten begonnen, der in den sogenannten Drogenskandal im Münchner Polizeipräsidium involviert war.

Vor dem Münchner Amtsgericht hat am Mittwoch der Prozess gegen einen suspendierten Polizeibeamten begonnen, der in den sogenannten Drogenskandal im Münchner Polizeipräsidium involviert war.

Foto: Felix Hörhager / dpa

Unter Tränen hat ein angeklagter Ex-Beamter in einem Drogenprozess bei der Münchner Polizei ein weitgehendes Geständnis abgelegt. Er habe »Scheiß gebaut«, sagte der 28-jährige Polizist am Donnerstag vor dem Münchner Amtsgericht. »Wir haben zusammen gefeiert, wir haben zusammen Drogen konsumiert.«

Er wolle »offen und ehrlich« sein, sagte der inzwischen suspendierte Mann. »Es war ein Zusammenspiel aus riesengroßer Schwäche und meinem doch noch irgendwie jungen Alter.« 2016 habe er das erste Mal Kokain konsumiert. »Irgendwas hat mich, verdammt noch mal, dazu gebracht zu sagen: Ja.«

Angeklagt wegen 79 Straftaten

Der Mann schilderte eine große berufliche und private »Doppelbelastung«, weil er regelmäßig aus München zu seiner Familie in Thüringen habe pendeln müssen. Er habe »ein Ventil« gebraucht: »Irgendwann kam einfach der Zeitpunkt, wo ich selber an mir auch körperlich gemerkt habe, dass es mich einfach fertig macht.« Eine »Parallelwelt« nannte er seinen Drogenkonsum im Münchner Nachtleben. Eine »Möglichkeit auszubrechen«.

Doch der Mann soll nicht nur Kokain konsumiert haben. Angeklagt ist der 28-Jährige wegen 79 Straftaten – unter anderem wegen unerlaubten Besitzes von und Handeltreibens mit Betäubungsmitteln, sowie wegen Unterschlagung und des Verrats von Dienstgeheimnissen.

Der Drogenskandal hatte das Polizeipräsidium München 2020 erschüttert. Die Staatsanwaltschaft führte 39 Ermittlungsverfahren gegen 37 Polizeibeamte und erhob sechs Anklagen. In zwölf Fällen wurde nach Angaben von Sprecherin Anne Leiding ein Strafbefehl beantragt. Teilweise gerieten bei den Ermittlungen aber auch unbescholtene Beamte ins Visier, die mit schwerwiegenden Folgen klarkommen mussten.

In dem aktuell laufenden Prozess vor dem Amtsgericht München wirft die Staatsanwaltschaft dem inzwischen suspendierten Polizeibeamten vor, er habe sich Kokain auf die Polizeiwache und zum Dienst auf das Oktoberfest liefern lassen. Außerdem soll er selbst Drogen an Kollegen verkauft und seinen Dealer vor Ermittlungen gewarnt haben. Der Angeklagte bestritt in seiner Einlassung aber, sich beim Weiterverkauf von Kokain bereichert zu haben. Er habe die Drogen zwar für andere besorgt – aber nie mehr Geld dafür verlangt, als er selbst dafür bezahlt habe.

Die juristische Aufarbeitung des Skandals wird in der kommenden Woche fortgesetzt. Am Dienstag beginnt ein neuer Prozess gegen einen weiteren beschuldigten Polizisten. Das Urteil im Verfahren gegen den 28-Jährigen könnte am 16. Februar fallen.

tgk/dpa

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