SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

08. August 2019, 14:59 Uhr

München

Verdächtige weist Spuck-Attacke gegen Rabbiner-Familie zurück

Ein Rabbiner und seine Söhne sind in München auf offener Straße beschimpft worden. Nun hat sich eine mutmaßliche Täterin bei der Polizei gemeldet - und den Vorfall anders dargestellt.

Nach dem antisemitischen Vorfall in München hat sich eine tatverdächtige Frau bei der Polizei gemeldet und judenfeindliche Vorwürfe zurückgewiesen. Sie soll den 19-jährigen Sohn eines Rabbiners mit den Worten "Scheiß Jude" beschimpft und ihm ins Gesicht gespuckt haben. Die Frau habe die Anschuldigungen dementiert, sagte ein Sprecher und lediglich von wechselseitigen Beleidigungen gesprochen.

Nach dem Besuch einer Synagoge sollen der Rabbiner und seine beiden Söhne zunächst von einem bislang unbekannten Mann von der gegenüberliegenden Straßenseite als "Scheiß Juden" beleidigt worden sein, wie die Polizei mitteilte. Durch das Tragen der Kippa, der traditionellen jüdischen Kopfbedeckung, seien die drei Männer von dem Täter als Juden identifiziert worden.

Die tatverdächtige Frau habe aus ihrem Pkw heraus den Vorfall beobachtet und daraufhin einen der beiden 19-Jährigen ebenfalls mit "Scheiß Jude" beleidigt, heißt es von den Ermittlern. Als sich der junge Mann an die Beifahrerseite begab, um die Frau anzusprechen, habe sie ihre Beleidigung wiederholt und ihm durch das geöffnete Autofenster ins Gesicht gespuckt. Anschließend sei sie davongefahren.

Frau ging selbst zur Polizei

Bei der Frau handelt es sich um eine 40 Jahre alte Deutsche mit marokkanischem Migrationshintergrund. Sie hatte sich wegen der Berichterstattung an die Polizei gewendet.

Die Kriminalpolizei ermittelt gegen die Frau und den unbekannten Mann wegen Volksverhetzung und Beleidigung. Der Vorfall hatte bei Politikern und Vertretern der jüdischen Gemeinde für Entsetzen gesorgt. Bayerns Antisemitismus-Beauftragter Ludwig Spaenle (CSU) zeigte sich entsetzt über den Vorfall und bezeichnete ihn als "Angriff auf die ganze Münchner Stadtgesellschaft".

jpz/dpa

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung