Prozess in Münster Ehemaliger SS-Mann bestreitet, von Massentötungen gewusst zu haben

Johann R. soll mehrere Hundert Morde im KZ Stutthof ermöglicht haben. Die Gräueltaten der Nazis bestreitet er vor Gericht nicht - wohl aber, von den systematischen Massentötungen etwas mitbekommen zu haben.

Johann R. im Landgericht Münster
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Johann R. im Landgericht Münster


Im Prozess gegen einen ehemaligen SS-Wachmann wegen hundertfacher Beihilfe zum Mord hat der Angeklagte ausgesagt, nichts von den systematischen Massentötungen mitbekommen zu haben. Das ließ der 94-Jährige Johann R. vor dem Landgericht Münster in einer Stellungnahme von seinem Anwalt verlesen.

Der damals 18-Jährige habe sich aus Angst vor den Nazis nicht gegen seinen Einsatz im KZ Stutthof gewehrt, hieß es darin. Er bestreite nicht die Gräueltaten in dem deutschen Lager bei Danzig. Laut Erklärung sei ihm auch der fürchterliche Zustand vieler Häftlinge nicht verborgen geblieben. Eine Entschuldigung bei den Opfern oder Überlebenden äußerte R. in seiner ersten Stellungnahme aber nicht.

Oberstaatsanwalt Andreas Brendel widersprach den Angaben des Angeklagten. "Wir gehen schon davon aus, dass die Wachleute deutlich mehr wussten als im Rahmen der heutigen Einlassung wiedergegeben wurde", sagte er. Auch die Aussage R.s, er habe nur aus Angst vor Repressalien seinen Dienst bei der SS verrichtet, entspreche nicht der Einschätzung der Anklage. Nun gelte es, die Beweisaufnahme abzuwarten. Dazu werde unter anderem ein Historiker ein Gutachten erstellen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann aus dem Kreis Borken in Nordrhein-Westfalen vor, als Wachmann in dem Lager mehrere Hundert Morde zwischen den Jahren 1942 und 1944 ermöglicht zu haben. Nach seiner Schilderung war der in Rumänien geborene Deutsche zunächst als untauglich für die Front eingestuft worden. Dann habe er den Befehl zum Dienst bei den SS-Wachmannschaften erhalten. (Mehr zu dem Prozess lesen Sie hier).

Nach Angaben der für die Aufklärung von NS-Verbrechen zuständigen Zentralen Stelle in Ludwigsburg starben bis Kriegsende 65.000 Menschen in Stutthof und seinen Nebenlagern sowie auf den sogenannten Todesmärschen.

bbr/dpa/AFP

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