Angebliche Vergewaltigung Teenagertrio soll brutale Selbstjustiz geübt haben

Eine 17-Jährige behauptete, vergewaltigt worden zu sein - und nahm laut Anklage mit zwei Freunden brutale Rache an dem vermeintlichen Täter. Das Trio steht nun wegen versuchten Mordes vor Gericht.


Aus Rache soll sich eine 17-Jährige eine Vergewaltigung ausgedacht, dann den vermeintlichen Täter mit zwei Freunden über Stunden gequält und beinahe umgebracht haben. Dieser Fall beschäftigt das Landgericht Münster.

Laut Anklage lockte die Jugendliche ihren vermeintlichen Peiniger im Mai dieses Jahres unter einem Vorwand an den Dortmund-Ems-Kanal bei Lüdinghausen. Dort soll der 18-Jährige aus Münster dann von den mitangeklagten Freunden der 17-Jährigen überfallen und über Stunden misshandelt worden sein.

Die 17-Jährige soll das spätere Opfer eine Woche zuvor über eine Flirt-App kennengelernt haben und war nach eigener Aussage schon kurz darauf mit ihm intim geworden. Noch am gleichen Tag hatte sie ihrem Ex-Freund und einem guten Bekannten davon erzählt, dabei aber von einer Vergewaltigung gesprochen. Vor Gericht relativierte sie: "Damals fühlte es sich wie eine Vergewaltigung an, aber ich habe schon freiwillig mitgemacht."

Dem Geständnis der 17-Jährigen zufolge entwickelte sich in den Tagen danach eine Eigendynamik, die angeblich nicht mehr zu stoppen war. "Wo wohnt der Bastard?", sollen ihre Freunde gefragt haben. Schließlich hätten sich alle drei mit Pfefferspray, einem Schlagstock, Fesselwerkzeug und einem scharfen Teppichmesser bewaffnet, und beschlossen, den 18-Jährigen in einen Hinterhalt am Kanal zu locken.

Der junge Mann aus Münster soll von den beiden maskierten Freunden der 17-Jährigen überwältigt, geschlagen und gefesselt worden sein. "Wir haben gegen seinen Kopf getreten, und ich auch zwischen seine Beine", sagte die Angeklagte. Außerdem habe sie eine Zigarettenkippe auf der nackten Haut des Opfers ausgedrückt und den 18-Jährigen mit einer erhitzten scharfkantigen Getränkedose und dem Teppichmesser gequält.

Als das Opfer schließlich um Gnade bettelte, soll die Situation endgültig eskaliert sein. "Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn nicht gehen lassen könne, weil er ja sofort zur Polizei rennen würde", erklärte die 17-Jährige den Richtern. Einer der Mitangeklagten habe dann gesagt: "Das muss jetzt hier zu Ende gebracht werden."

Also hätten sie einen Gürtel um den Hals des Opfers gelegt und an beiden Seiten zugezogen. Erst als sie in der Nähe Schritte von Spaziergängern gehört hätten, seien sie fortgerannt. Das Opfer wurde darauf mit lebensgefährlichen Schnittverletzungen ins Krankenhaus gebracht. Der junge Mann hatte rund drei Liter Blut verloren. Die Anklage lautet auf versuchten Mord.

cnn/dpa



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