Ermittlungen in Münster SEK-Einheit soll rechtsextreme Chatgruppe unterhalten haben

Gegen 8 von 20 Chatmitgliedern wurden Strafverfahren eingeleitet: In Münster sollen Polizeibeamte über Jahre hinweg rechtsextreme Nachrichten ausgetauscht haben. Der wichtigste Hinweis fand sich auf einem beschlagnahmten Handy.
Mitglied eines Spezialeinsatzkommandos bei einer Übung in Nordrhein-Westfalen

Mitglied eines Spezialeinsatzkommandos bei einer Übung in Nordrhein-Westfalen

Foto: Revierfoto / picture alliance / dpa

Mitglieder einer Spezialeinheit der Polizei Münster sollen zwischen 2013 und 2018 eine Chatgruppe betrieben haben, in der sie rechtsextreme Nachrichten, Bilder und Videos teilten. Auch pornografische, fremdenfeindliche und sexistische Inhalte seien unter den Nachrichten der Polizeibeamten gewesen, teilte die Polizei Münster bei einer Pressekonferenz mit. Gegen acht Beamte wurden Straf- und Disziplinarverfahren eingeleitet. Sie seien mit sofortiger Wirkung aus dem Dienst genommen worden.

Der Inhalt des Chats sei seit dem 11. Juli dieses Jahres bekannt, sagte Polizeipräsidentin Alexandra Dorndorf. Insgesamt 20 Beamte einer SEK-Einheit im Alter von 39 bis 56 Jahren waren demnach Mitglied in der Chatgruppe. Es gehe nun darum, Tausende Nachrichten zu sichten. »Jedes Bild, jedes Video, jeder Text muss überprüft und bewertet werden«, so Dorndorf. Die Ermittlungen liefen aktuell weiter.

Sie sei »erschüttert« über das Ergebnis der bisherigen Ermittlungen, sagte Dorndorf weiter. »Wir haben jeden Stein umgedreht, jetzt haben wir ein Ergebnis, das uns nicht glücklich macht«, sagte die Polizeipräsidentin.

Ermittlungen in anderem Verfahren lieferten entscheidenden Hinweis

Aufmerksam waren die Ermittler auf den Chat offenbar geworden, als sie das Smartphone eines 38-jährigen Beamten auswerteten, gegen den bereits ein Straf- sowie Disziplinarverfahren lief. Dessen Handy wurde demnach bereits im November des vergangenen Jahres beschlagnahmt, allerdings erst jetzt ausgewertet. Ob die Chatgruppe auch über das Jahr 2018 hinaus bestand und ob dort weiterhin strafbare Inhalte geteilt wurden, müsse noch untersucht werden. Zwei weitere Handys seien sichergestellt worden.

Vor zwei Jahren waren unter anderem bei der Polizei in Mülheim/Ruhr mehrere Chatgruppen aufgeflogen, in denen unter anderem Hitler-Bilder oder hetzerische Inhalte geteilt worden waren. Damals waren aber keine SEK-Polizisten beteiligt.

lmd
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