Ermittlungen zu NS-Verbrechen Mutmaßliche Auschwitz-Wachleute vor Freilassung

Sie sind 88, 92 und 94 Jahre alt und stehen im Verdacht, im KZ Auschwitz Beihilfe zum Mord geleistet zu haben: Drei greise Männer wurden im Februar verhaftet, einer ist bereits wieder auf freiem Fuß. Jetzt steht die Freilassung offenbar auch bei den anderen unmittelbar bevor.

Tor zum ehemaligen Stammlager des Konzentrationslagers Auschwitz (Archiv)
AP

Tor zum ehemaligen Stammlager des Konzentrationslagers Auschwitz (Archiv)

Von Rainer Leurs


Stuttgart/Hohenasperg - Mehrere Wohnungen wurden durchsucht, drei Beschuldigte verhaftet: Umfassende Ermittlungsaktionen gegen mutmaßliche NS-Verbrecher erregten Mitte Februar bundesweit Aufsehen. In Untersuchungshaft landeten Männer im Alter von 88, 92 und 94 Jahren, die im Konzentrationslager Auschwitz Beihilfe zum Mord geleistet haben sollen. Schon bald allerdings könnten alle drei wieder in Freiheit sein - über entsprechende Anträge wird nach Angaben der Stuttgarter Staatsanwaltschaft am Mittwoch und Donnerstag entschieden.

Sprecherin Claudia Krauth sagte SPIEGEL ONLINE, die Anklagebehörde habe im Fall des 94-Jährigen selbst beantragt, den Haftbefehl außer Vollzug zu setzen. Auch sein Anwalt habe zuvor Rechtsmittel gegen die Untersuchungshaft eingelegt. Grund für den Schritt sei die angeschlagene Gesundheit des Mannes.

Auch im Fall des 92-Jährigen beantragte die Verteidigung, den Haftbefehl außer Vollzug zu setzen. Voraussichtlich werde auch die Staatsanwaltschaft einen solchen Antrag stellen, sagte Krauth. Der dritte Beschuldigte, ein 88-jähriger Mann, war noch im Februar aus der Untersuchungshaft entlassen worden - unter anderem, weil er zum Tatzeitpunkt minderjährig war.

Weiter dringender Tatverdacht

Staatsanwältin Krauth betonte, in allen drei Fällen gehe es lediglich um den Vollzug des Haftbefehls. Der dringende Tatverdacht bestehe weiter. "Unser Ziel ist die Anklageerhebung und die Fortsetzung des Verfahrens", sagte sie. "Wenn wir dieses Ziel auch ohne Vollzug des Haftbefehls erreichen, ist das mildere Mittel das bessere." Die Freilassung, die die Staatsanwaltschaft im Fall des 94-Jährigen beantrage, erfolge nur unter Auflagen; so müsse der Beschuldigte seinen Reisepass abgeben.

Noch vor wenigen Wochen hatte sich der zuständige Richter am Amtsgericht Stuttgart die Haftfähigkeit der Männer ärztlich bestätigen lassen. Dem 94-Jährigen gehe es allerdings inzwischen deutlich schlechter, sagte Krauth: "Wir haben jetzt Umstände, die wir zum Zeitpunkt der Festnahme nicht hatten." Der 92-Jährige wiederum sei "geistig sehr fit", leide aber ebenfalls an diversen Gebrechen. Beide Beschuldigten sitzen im Justizvollzugskrankenhaus Hohenasperg.

Fahnder hatten Mitte Februar in mehreren Bundesländern Wohnräume mutmaßlicher NS-Verbrecher durchsucht und die drei Männer aus Baden-Württemberg verhaftet. Nach Angaben der Ermittler äußerte sich nur der 88-Jährige aus dem Enzkreis. Er gab demnach an, in Auschwitz gewesen zu sein, bestritt aber eine konkrete Tatbeteiligung.

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