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15. April 2019, 19:29 Uhr

Verdacht auf Schneeballsystem

Wie Herr Clemens vier Millionen Euro von deutschen Rentnern bekam

Von David Walden

"Gewinne, die unglaublich sind": Eine attraktive monatliche Zusatzrente hat ein mutmaßlicher Betrüger Anlegern versprochen. Doch die Auszahlungen wurden gestoppt, der Mann lebt nun in Kambodscha.

Für das Interview hat sich Claus Clemens, 62, herausgeputzt. Er trägt Weste, Hemd und Krawatte, sitzt in einem opulenten Ledersessel und stellt den Pension International Club (PIC) vor. Der Geschäftsführer sagt große Sätze: "Wir machen Gewinne, die unglaublich sind". Oder: Wir arbeiten mit fünf Wirtschaftsanalysten zusammen, die zu den besten der Welt gehören".

Alles Lüge? Das Video mit dieser Szene wurde Spiegel TV zugespielt und nie veröffentlicht. Der PIC, angeblich ein seriöser Anlegerclub, verspricht seinen Mitgliedern eine attraktive monatliche Zusatzrente. Über vier Millionen Euro von 1500 Anlegern, vor allem deutschen Rentnern, sammelte Clemens in rund zwei Jahren ein. Vor einigen Wochen wurden sämtliche Auszahlungen plötzlich eingestellt. Es könnte darauf hindeuten, dass es sich beim PIC um ein betrügerisches Schneeballsystem handelt.

Klaus Glowka, 64, aus Esslingen, hat mehr als 30.000 Euro in den PIC investiert. Im kommenden Jahr geht er in Rente. Ihm war schon früh klar, dass seine Rente nicht ausreichen wird. "Was, wenn ich ein Pflegefall werde? Ich will meinem Sohn dann nicht auf der Tasche liegen!". 2017 empfiehlt ihm ein Bekannter das "alternative Pensionssystem". Zunächst reagiert Glowka skeptisch, schließt dann aber doch einen ersten Vertrag über 9000 Euro ab.

Todsicheres Investment

Der Pensions-Club hat unter anderem eine sogenannte Sofortrente im Angebot. Nach Zahlung eines Einmalbetrages von zum Beispiel 18.000 Euro erhält man - nach 31 Tagen Wartezeit - eine Zusatzrente von 1000 Euro pro Monat. Ein Leben lang, der Anspruch sei sogar vererbbar. Ein todsicheres Investment sozusagen.

Es passieren zwei Dinge, die typisch für Schneeballsysteme sind. Als seine monatliche Zusatzrente regelmäßig und pünktlich auf dem Konto landet, legt Anleger Glowka nach, überweist immer mehr Geld. Außerdem empfiehlt er den PIC begeistert im Freundes- und Bekanntenkreis. "Ich gebe zu, es fiel mir wahnsinnig schwer, nicht darüber zu reden. Am Anfang lief es ja so gut". Jetzt könnte sein Geld weg sein.

Was ist mit den Einlagen Tausender Rentner passiert? Warum wurden die Auszahlungen gestoppt? SPIEGEL TV hat sich auf die Suche nach Claus Clemens, dem Chef des PIC, gemacht und hat ihn in Kambodscha gefunden. Von hier aus führt er die Geschäfte. Er bestreitet alle Vorwürfe. Ein Schneeballsystem? Das sei "völliger Unsinn von Kreaturen, die sich im Finanzsystem und dessen Möglichkeiten nicht auskennen". Den Auszahlungsstopp gebe es nur, weil ehemalige Mitarbeiter Gelder veruntreut hätten.

Doch SPIEGEL TV hat in Kambodscha auch einen Informanten getroffen, der für den PIC das sogenannte Backoffice programmiert hatte: ein Programm, in dem alle Kundendaten, alle Einzahlungen gespeichert sind. Er sagt: "Mir ist es wichtig, dass dieses System aufgedeckt wird, dass Herr Clemens entlarvt wird."

In Berlin wird wegen des PIC gegen ihn ermittelt, wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Kreditwesengesetz. Viele seiner Anleger haben sich inzwischen Anwälte genommen. Ob die Auszahlungen jemals wieder aufgenommen werden, wie Clemens behauptet?

Sicher ist: Claus Clemens geht es gut mit seinem Geschäft. Auf seinem Anwesen in der Nähe von Phnom Penh hat er sich mehrere Häuser gebaut.

Die ganze Geschichte um den mutmaßlichen Anlagebetrag sehen sie heute, um 23:25 Uhr, bei SPIEGEL TV auf RTL.

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