Mutmaßlicher Kinderschänder Christopher N. steht in Thailand vor Gericht

Mehr als 350 Hinweise aus aller Welt brachten die Ermittler auf seine Spur: Ab heute steht der mutmaßliche Kinderschänder Christopher N. in Thailand vor Gericht. Er soll rund 200 Fotos ins Internet gestellt haben, die ihn beim Missbrauch von Jungen zeigen - doch N. beteuert seine Unschuld.


Bangkok - Der Kanadier, der im Oktober nach einer weltweiten Fahndung aufgespürt worden war, an der sich auch das Bundeskriminalamt (BKA) beteiligt hatte, plädierte nach Angaben der Staatsanwaltschaft vor dem Gericht in Bangkok in allen Anklagepunkten auf nicht schuldig. "Ich hoffe, es gibt Gerechtigkeit in Thailand", sagte der 32-Jährige, der in Handschellen und Fußfesseln in den Gerichtssaal geführt wurde.

Die Staatsanwaltschaft wirft N. vor, minderjährige Jungen belästigt und ihrer Freiheit beraubt, ihnen die elterliche Fürsorge vorenthalten und pornografische Bilder von ihnen verbreitet zu haben. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 20 Jahre Gefängnis. Der Anwalt des Angeklagten kündigte an, die Freilassung gegen Kaution zu beantragen. Christopher N. soll sich auch in Vietnam und Kambodscha an Kindern vergangen haben.

In Thailand basiert die Anklage auf den Aussagen zweier Jugendlicher, die dem Kanadier vorwerfen, sie im Alter von 9 und 14 Jahren für Oralsex bezahlt zu haben.

"Ich glaube nicht, dass er das getan hat"

Interpol hatte die Öffentlichkeit im Internet um Hilfe bei der Fahndung nach dem Mann gebeten, nachdem Computerspezialisten des BKA sein digital stark verfremdetes Gesicht kenntlich gemacht hatten. Erste Bilder des Gesuchten waren der deutschen Polizei bereits 2004 in die Hände gefallen. Seitdem haben die Behörden im Internet etwa 200 anonymisierte Fotos gefunden, auf denen der Mann beim Missbrauch von Jungen zu sehen sein soll. Den thailändischen Ermittlern zufolge haben mehrere Opfer N. auf den Fahndungsfotos erkannt. Einige der sexuell misshandelten Jungen sollen erst sechs Jahre alt gewesen sein. Die Fotos wurden jedoch vermutlich in Vietnam und Kambodscha gemacht und fallen bei dem Prozess in Thailand nicht ins Gewicht.

Die Polizei konnte den mutmaßlichen Kinderschänder schließlich Ende Oktober mit Hilfe einer Telefon-Fangschaltung in der Stadt Korat im Nordosten Thailands festnehmen. Dort hielt sich N. mit seinem Freund, einem thailändischen Transvestiten, der sich selbst "Ohm" nennt, auf. Ohm besucht N. regelmäßig im Gefängnis und sagte den Reportern heute am Rande der Verhandlung, er könne nicht glauben, dass dieser "freundliche und lustige" Mann ein Pädophiler sein soll. "Wenn ich ihn zu Familienbesuchen mitgenommen habe, hat er meinen Nichten und Neffen nie etwas angetan." N. sei ein romantischer Mann, der ihn häufig mit auf Ausflüge zu Inseln und Stränden genommen habe. "Ich glaube nicht, dass er das getan hat. Ich habe keinen anderen Partner und ich werde auf ihn warten, bis er wieder frei kommt."

In einem Fernsehinterview mit dem kanadischen Sender CTV hatte N. im vergangenen Jahr gesagt, die Beweise der thailändischen Behörden gegen ihn würden vor einem kanadischen Gericht nicht standhalten. Interpol zufolge war N. jahrelang als Sextourist um die Welt gereist. Er lebte zeitweise in Thailand und hat in Südkorea als Englischlehrer gearbeitet.

Der Prozess soll nach Angaben von N.s Anwalt erst am 2. Juni fortgesetzt werden.

han/Reuters

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