Tote im Maschsee Mutmaßlicher Prostituierten-Mörder schweigt vor Gericht

Sie wurde getötet, ihre zerstückelte Leiche landete im Maschsee: Rund neun Monate nach dem Mord an einer Prostituierten in Hannover steht der mutmaßliche Täter vor Gericht. Der 25-Jährige soll zu Gewaltphantasien neigen.
Angeklagter im Landgericht Hannover: 31 Zeugen und vier Sachverständige sind geladen

Angeklagter im Landgericht Hannover: 31 Zeugen und vier Sachverständige sind geladen

Foto: Sebastian Kahnert/ dpa

Hannover - Vor dem Landgericht Hannover hat der Prozess um den Mord an einer Prostituierten begonnen. Ihre zerstückelte Leiche war im Herbst 2012 im Maschsee gefunden worden. Vor Gericht verantworten muss sich ein 25-Jähriger, zu den Tatvorwürfen schwieg der Angeklagte. Alles Nötige dazu werde sein Anwalt sagen, erklärt er.

Laut Anklage lernte der Mann die Prostituierte im Rotlichtviertel kennen und erstach die 44-Jährige später in seiner Wohnung, weil sie keinen Sex mit ihm wollte. In dem Prozess soll es auch um die Schuldfähigkeit des Drogenabhängigen gehen. Zunächst sind zehn Verhandlungstage angesetzt. 31 Zeugen und vier Sachverständige sind geladen.

Der Angeklagte soll Teile der zerstückelten Leiche in den Maschsee geworfen haben. Bei der Polizei hatte der Mann die Tat abgestritten, er soll aber später mit einem Mitgefangenen darüber gesprochen haben. Nach Überzeugung der Anklage tötete der Mann die Prostituierte aus Mordlust, niedrigen Beweggründen und zur Befriedigung des Geschlechtstriebs. Er ist wegen Körperverletzung und Drogen-Delikten vorbestraft.

Den Fahndern zufolge sympathisiert er mit Rechtsextremen und neigt zu Gewaltphantasien. Aus Sicht der Verteidigung decken die Ermittlungsergebnisse die unterstellten Mordmotive jedoch nicht.

Die Tote stammte aus Ibbenbüren in Nordrhein-Westfalen. Sie war erst kurz vor der Tat nach Hannover gezogen. Ihre Eltern, zwei Schwestern sowie ihr 23-jähriger Sohn sind als Nebenkläger vertreten.

"Die Familie verkraftet es sehr schlecht. Sie war ein Zufallsopfer", sagt die Anwältin des Vaters, Nicole Thiele. Die 44-Jährige sei nach dem Scheitern ihrer Ehe in die Heroin-Sucht abgerutscht, habe aber stets guten Kontakt zu ihrer Familie behalten. "Sie war zur falschen Zeit am falschen Ort", sagt Thiele.

wit/dpa