Prozess in Arnsberg Mutter nach Hungertod ihres Babys zu lebenslanger Haft verurteilt

Die junge Mutter feierte tagelang im Drogenrausch - zu Hause verhungerte ihre knapp vier Monate alte Tochter: Wegen Mordes ist eine 22-Jährige aus Soest zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Mutter des vernachlässigten Säuglings (Archiv): Lebenslange Haftstrafe
DPA

Mutter des vernachlässigten Säuglings (Archiv): Lebenslange Haftstrafe


Arnsberg - Das Landgericht Arnsberg eine 22-jährige Frau wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt - weil ihr alleingelassenes Kind verhungert und verdurstet war. Die Frau habe den Säugling grausam und aus niedrigen Beweggründen getötet, befanden die Richter.

Die Frau hatte zugegeben, dass sie Anfang November 2013 in einer Diskothek in Münster unter dem Einfluss von Ecstasy und Amphetaminen gefeiert hatte. Während dieser Zeit lag das knapp vier Monate alte Mädchen allein in der Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Soest. Der Säugling verhungerte und verdurstete. Als die Mutter am 5. November in die Wohnung zurückkehrte, war das Kind tot. Die Leiche wurde erst zwei Wochen später entdeckt.

Die Richter hielten es nach der Beweisaufnahme für erwiesen, dass die junge Frau den Tod ihres Babys billigend in Kauf genommen hatte. Sie habe aus Eigensucht gehandelt und gewollt, dass ihr Kind wegen mangelnder Versorgung stirbt - weil es ihrem bisherigen Leben im Weg gestanden habe. Die Strafkammer folgte mit ihrem Urteil dem Strafmaßforderung der Staatsanwaltschaft.

"Ich bin schon gestraft genug"

Die Verteidigung hatte hingegen am letzten Prozesstag auf fahrlässige Tötung und verminderte Schuldfähigkeit wegen des Drogenkonsums plädiert. Die Mutter hatte in dem Verfahren zwar eingeräumt, das Mädchen tagelang alleine gelassen zu haben. Dies sei aber nicht geplant gewesen. Vielmehr habe sie ursprünglich nur eine Nacht wegbleiben wollen, dann aber wegen Drogenkonsums bei der Party das Zeitgefühl verloren.

Die Richter sahen dies anders: "Wer gezielt Geld besorgt und nach Münster in eine Disco fährt, nimmt in Kauf, dass er nicht in der gleichen Nacht zurückkommt." Sie zeigten sich empört, wie die Mutter die Verantwortung für ihr Kind ganz bewusst nicht wahrgenommen habe. Das Gericht sprach von Eigennutz als Motiv. "Es gibt wohl kaum Verstöße in unserer Gesellschaft, die wir schärfer verurteilen."

Die 22-Jährige hatte in ihrem Schlusswort, bei dem sie immer wieder in Tränen ausbrach, gesagt, ihr tue unendlich leid, was passiert sei. Welche Strafe sie bekomme, sei ihr gleich: "Ich bin schon gestraft genug." Gutachter hatten während des Prozesses das dramatischen Leiden des Kindes aufgezeigt. Es hätte zum Zeitpunkt seines Todes eigentlich fast fünf Kilogramm wiegen müssen. Es waren aber nur zweieinhalb.

wit/dpa/AFP



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