SPIEGEL ONLINE

Volleyball-Legende Ingrid Visser Verscharrt unter Zitronenbäumen

DNA-Untersuchungen stehen noch aus. Doch die Angehörigen sind sich sicher: Bei den Leichen, die jetzt in Südspanien gefunden wurden, handelt es sich um die niederländische Volleyball-Legende Ingrid Visser und ihren Freund. Drei Festnahmen gibt es inzwischen - doch der Fall bleibt mysteriös.
Von Rainer Leurs

Murcia - Es ist ein trauriges Ende, das die Vermisstensuche nach Ingrid Visser zu nehmen scheint. Mit allen Mitteln hatten Angehörige der niederländischen Volleyball-Legende und ihres Lebensgefährten Lodewijk Severein versucht, den Ermittlern bei der Suche zu helfen. Eine Website mit Fahndungsaufruf hatten sie eingerichtet, außerdem bei Facebook und Twitter die Öffentlichkeit um Hinweise gebeten. Einige Familienmitglieder waren selbst nach Spanien gereist, wo Visser und Severein vor zwei Wochen zuletzt gesehen worden waren.

Doch die Hoffnungen der Familien und Freunde fanden in der Nacht zum Montag ein schlimmes Ende. Auf dem Gelände einer Plantage bei Murcia entdeckte die spanische Polizei zwei Leichen, die zur Beschreibung der Vermissten passen. Behörden bestätigten inzwischen bei einer Pressekonferenz entsprechende Medienberichte vom Montagvormittag. Die Ermittler gehen von einem Verbrechen aus.

Fotostrecke

Niederländischer Volleyballstar: Offenbar Leichen von Visser und Severein gefunden

Ob es sich bei den Toten um die Rekordnationalspielerin und ihren 57-jährigen Freund handelt, ist noch nicht völlig klar. DNA-Untersuchungen stehen noch aus. "Allem Anschein nach sind es aber die beiden", sagte eine Angehörigensprecherin SPIEGEL ONLINE. Die Berichte aus Spanien seien ein Schock für die Familien, heißt es in einem Statement auf der Webseite zur Suchaktion.

50 Zentimeter tief vergraben

Während die Angehörigen nun wohl traurige Gewissheit haben, bleiben die Todesumstände von Visser und Severein vorerst mysteriös. Nach Informationen der spanischen Nachrichtenagentur EFE waren die Leichen auf dem Gelände eines Zitronenhains in Alquerias vergraben worden. Gefunden wurden sie unter einem Zufahrtsweg in etwa 50 Zentimetern Tiefe. Die Kleinstadt Alquerias liegt etwa zwölf Kilometer entfernt von Murcia.

Die Polizei teilte mit, dass sie im Zusammenhang mit der Tat drei Verdächtige gefasst habe. Es handele sich um einen 36-jährigen Spanier und zwei 47 und 60 Jahre alte Rumänen. Man habe in einem Haus der Gemeinde Molina de Segura unweit der Regionalhauptstadt Murcia Hinweise gefunden, dass das Verbrechen dort verübt worden sei. Die leblosen Körper seien dann vermutlich in ein anderes Haus gebracht und später in einem nahe gelegenen Landgut in Alquerias vergraben worden.

"Wir wissen, dass nach einer Plakataktion von uns einige Hinweise bei den Behörden eingingen", sagte die Sprecherin der Angehörigen SPIEGEL ONLINE. "Es hieß, diese Spuren seien hilfreich."

Rechtsanwalt wird befragt

In spanischen Medien wurde unterdessen spekuliert, dass eine organisierte Bande für das Verbrechen verantwortlich sein könnte. Die Festgenommenen würden Kreisen des Drogenhandels und der organisierten Kriminalität zugerechnet, berichtete die Zeitung "El Pais" online. Der Bürgermeister von Alquerías, Francisco Zamora, sagte, einer der Festgenommenen habe den entscheidenden Tipp gegeben.

Warum die beiden Niederländer letztlich ins Visier ihrer Mörder gerieten, ist noch völlig unklar. Befragt wird dem Nachrichtenportal nu.nl zufolge unter anderem ein Rechtsanwalt in Murcia , bei dem Visser und Severein einen Termin gehabt haben sollen.

Die 513-malige niederländische Nationalspielerin Visser war mit Severein vor 14 Tagen nach Murcia geflogen, um dort eine Fruchtbarkeitsklinik aufzusuchen. Nachdem das Paar Absprachen nicht nachkam und auch telefonisch nicht erreichbar war, hatte die Familie vor neun Tagen die Polizei eingeschaltet. Bereits in der vergangenen Woche hatte die Polizei das Mietauto des Paares gefunden - ordentlich geparkt in einer Hauptstraße von Murcia. Überwachungskameras zeigten, dass Visser und Severein es selbst dort abgestellt hatten.

Mit Material von dpa und sid