Nach 65 Jahren 96-jährige Niederländerin gesteht politischen Mord

Sie wurde zu keiner Zeit mit der Tat in Zusammenhang gebracht: Nun hat eine 96 Jahre alte Niederländerin eingeräumt, einen Bauunternehmer im Jahr 1946 ermordet zu haben - weil sie glaubte, das Opfer hätte mit den Nazis kollaboriert. Ein Irrtum.

Amsterdam - Diese Tat hatte die Niederlande 1946 erschüttert: Felix Gulje, zu der Zeit im Gespräch für ein hohes politisches Amt, wurde in seinem Haus erschossen. Der Täter wurde nie ermittelt.

Bis sich jetzt eine 96-Jährige zu Wort meldete. Wie der Bürgermeister von Leiden, Henri Lenferink, mitteilte, habe er ein Schreiben der Frau bekommen, in dem sie den Mord an Felix Gulje gesteht. Zwei Gespräche mit der Frau und eine Recherche in Archiven hätten ihn überzeugt, dass ihre Geschichte stimmt.

Demnach spielte sich das Geschehen folgendermaßen ab: Das Tatmotiv sei der Irrglaube gewesen, dass das Mordopfer mit den Nazis kollaboriert hatte. Mehrere Untergrundblätter hatten geschrieben, er sei schuldig. Am 1. März 1946 klingelte die Täterin, die während des Krieges im Widerstand war, an der Haustür von Gulje, sagte seiner Frau, sie habe einen Brief für ihren Mann. Nachdem Gulje an die Tür kam, schoss ihn die Täterin ihren Schilderungen zufolge nieder. Der Mann erlag noch im Krankenwagen seinen Verletzungen.

Zwar machte das Unternehmen von Gulje Geschäfte mit den Deutschen, doch nach seinem Tod kam heraus, dass er Juden Unterschlupf gewährte und die Rettung anderer Juden finanzierte. Zudem traf sich eine katholische Untergrundorganisation in seinem Haus.

Die Täterin, die zu keiner Zeit verdächtigt wurde, werde strafrechtlich nicht verfolgt werden, sagte Bürgermeister Lenferink - obwohl die Niederlande die Verjährungsfrist von 18 Jahren für schwere Verbrechen 2006 aufhoben. Die behinderte Frau sei sehr alt und gebrechlich und habe ein schlechtes Hörvermögen, so Lenferink.

wit/dapd
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