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07. Dezember 2008, 10:54 Uhr

Nach Anschlägen auf Familie

Mutmaßlicher Berliner Bombenleger gefasst

Der mutmaßliche Bombenleger Peter J. soll zwei Anschläge auf seine Familie verübt haben, ein Sprengsatz riss seiner 12-jährigen Nichte fast den Arm ab. Nun wurde der Flüchtige am Berliner Ostbahnhof gefasst - und ein weiterer möglicher Sprengsatz gefunden.

Berlin - Zehn Tage nach dem Sprengstoffanschlag in einem Berliner Wohnhaus, bei der eine 12-Jährige lebensgefährlich verletzt wurde, ist der mutmaßliche Täter festgenommen worden. Der bundesweit gesuchte 32-jährige Peter J. wurde auf dem Ostbahnhof von Beamten der Bundespolizei überwältigt. Über Einzelheiten wollten Ermittler der Mordkommission des Landeskriminalamtes (LKA) und der Staatsanwaltschaft im Laufe des Tages informieren.

Der bundesweit gesuchte mutmaßliche Bombenleger Peter J.: Festnahme in Berlin
DPA

Der bundesweit gesuchte mutmaßliche Bombenleger Peter J.: Festnahme in Berlin

Der seit der Tat flüchtige Mann hatte sich am frühen Abend auf dem Ostbahnhof im Stadtteil Friedrichshain aufgehalten. Er habe bei der Festnahme keinen Widerstand geleistet, hieß es von Seiten der Polizei. Eine Gefährdung von Unbeteiligten habe es nicht gegeben.

Der Mann war Bundespolizisten aufgefallen, als er auf dem Areal herumlungerte. Ihm wird vorgeworfen, am 26. November zwei Sprengfallen im Stadtteil Rudow gelegt zu haben - Ziel war J.s eigene Familie. Eine Bombe detonierte und riss dabei der zwölfjährigen Nichte des Tatverdächtigen fast einen Arm ab, als sie in den Briefkasten des Hauses schaute.

Die Polizei hatte in den vergangenen Tagen befürchtet, dass der 32-Jährige möglicherweise auch einen Sprengsatz bei sich tragen und diesen zünden könnte. Bei seiner Festnahme sollen jedoch keine Sprengmittel oder Waffen gefunden worden sein, hieß es bei der Polizei.

Wenige Stunden später entdeckten Polizisten einen möglichen Sprengsatz unter einem Altkleidercontainer im Stadtteil Mitte. Der Fund stehe im Zusammenhang mit der Festnahme des Gesuchten, sagte ein Polizeisprecher, ohne zunächst Details zu nennen. Während Experten des LKA mit einem Roboter den verdächtigen Gegenstand in einen Spezialanhänger brachten, war die Straße mehrere Stunden gesperrt.

Das schwerverletzte Mädchen ist inzwischen außer Lebensgefahr, ihr Arm konnte gerettet werden. Weitere Operationen stehen ihr aber noch bevor. Tagelang hatten Spezialisten um das Leben und den Arm der Zwölfjährigen gekämpft. Hintergrund der Tat soll ein langjähriger Familienstreit sein.

Für Hinweise zur Ergreifung des Mannes hatte der Polizeipräsident eine Belohnung von bis zu 10.000 Euro ausgesetzt. Insgesamt waren 76 Hinweise auf den Flüchtigen aus der Bevölkerung eingegangen.

pad/ddp

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