Messerattacke in Würzburg Mutmaßlicher Täter besorgte sich Waffe im Kaufhaus

Das Messer, mit dem ein Mann am Freitag in Würzburg drei Frauen erstochen hat, stammte aus der Haushaltswarenabteilung eines Kaufhauses. Das teilte die Polizei mit. Bayerns Innenminister lobt das Vorgehen der Beamten als »bilderbuchmäßig«.
Polizisten in der Würzburger Innenstadt am Tag nach dem Attentat

Polizisten in der Würzburger Innenstadt am Tag nach dem Attentat

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Bayerns Innenminister hat sich bei den Polizei- und Rettungskräften bedankt, die am Freitag nach dem Messerangriff in Würzburg im Einsatz waren. Der Täter sei »bilderbuchmäßig« mit einem Schuss in den Oberschenkel überwältigt worden, sagte Herrmann am Samstagnachmittag bei einer Pressekonferenz der Polizei in Würzburg.

Am Freitag waren bei dem Angriff eines 24-jährigen Somaliers, der zuvor psychisch auffällig gewesen sein soll, drei Frauen getötet und mehrere Menschen schwer verletzt worden. Nach Angaben des Polizeipräsidenten von Unterfranken, Gerhard Kallert, hatte der Täter sich am Freitag um 17 Uhr in einem Kaufhaus in der Haushaltswarenabteilung zunächst nach Messern erkundigt.

Dann habe er sich unvermittelt eines der Messer gegriffen und damit auf eine Verkäuferin eingestochen, die noch vor Ort starb. Auf dem Weg aus dem Kaufhaus heraus tötete der Mann demnach zwei weitere Frauen. Die Toten wurden den Angaben zufolge in den Jahren 1939, 1972 und 1996 geboren. Eine weitere Frau schwebe noch in Lebensgefahr.

Ein Polizeibeamter vor einem Kaufhaus in der Würzburger Innenstadt

Ein Polizeibeamter vor einem Kaufhaus in der Würzburger Innenstadt

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / picture alliance / dpa

LKA hat Ermittlungen übernommen

Die Auswertung der Überwachungskameras habe ergeben, dass es sich um einen Einzeltäter ohne weitere Komplizen gehandelt habe. Noch sei die Tatortarbeit nicht abgeschlossen; das Landeskriminalamt hat mittlerweile die Leitung der Ermittlungen übernommen.

Der mutmaßliche Täter kam nach ersten Ermittlungsergebnissen der Staatsanwaltschaft im Mai 2015 nach Deutschland. Zunächst lebte er unter anderem in Chemnitz, 2019 zog er dann nach Würzburg.

»Er hält sich legal hier auf«, sagte der Bamberger Generalstaatsanwalt Wolfgang Gründler. Gemeldet sei der 24-Jährige in einem Obdachlosenwohnheim in Würzburg. Das Heim sei durchsucht worden, die sichergestellten Materialien – darunter ein Handy und verschiedene Schriften – würden aktuell ausgewertet.

Streit im Wohnheim

In dem Heim habe es vor einigen Monaten einen Streit mit Mitbewohnern gegeben, in deren Verlauf der Mann sich ein Messer genommen und damit gedroht haben soll. Danach sei er vorübergehend in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen worden. Am Samstag wurde Haftbefehl erlassen wegen dreifachen Mordes sowie wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung in weiteren sechs Fällen.

Ein mögliches islamistisches Motiv des 24-Jährigen wird derzeit geprüft. Nach SPIEGEL-Informationen sagte der mutmaßliche Attentäter Abdirahman J. A. nach seiner Festnahme, dass er mit der Tat seinen »Dschihad« verwirklicht habe. Das geht aus einem internen Behördenvermerk hervor. Ein Zeuge aus dem Kaufhaus habe berichtet, dass der Täter »Allahu Akbar« (Gott ist größer) gerufen habe, sagte Innenminister Herrmann am Samstag.

In der Würzburger Innenstadt haben Trauernde Blumen abgelegt

In der Würzburger Innenstadt haben Trauernde Blumen abgelegt

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Politiker aller Parteien hatten bestürzt auf die Bluttat reagiert. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach von einem Amoklauf und bezeichnete den Angriff am Samstag als »schlimmes und entsetzliches Ereignis«. Söder ordnete in Bayern landesweite Trauerbeflaggung an.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte: »Die entsetzliche Gewalttat, die in Würzburg drei Menschen in den Tod gerissen und viele weitere verletzt hat, erschüttert uns.« Der Täter werde »für diese menschenverachtende Tat«, zur Verantwortung gezogen, versprach der Bundespräsident. »Heute trauern wir in ganz Deutschland mit den Angehörigen der Opfer«, fügte der Bundespräsident hinzu.

In Würzburg soll ein Kondolenzbuch ausgelegt werden, in dem sich Trauernde eintragen können. Am Sonntagnachmittag wird es außerdem im Kiliansdom eine Gedenkfeier für die Opfer geben. Daran werden neben dem katholischen Würzburger Bischof Franz Jung auch Vertreter anderer Religionen und der Öffentlichkeit teilnehmen, sagte Oberbürgermeister Christian Schuchardt. Erwartet werden unter anderem werden der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sowie muslimische Würdenträger.

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