Nach Festnahme Strauss-Kahn berief sich auf Diplomatenstatus

Der Zugriff erfolgte am John F. Kennedy Airport: Die New Yorker Staatsanwaltschaft hat ein Protokoll der Festnahme von Dominique Strauss-Kahn veröffentlicht. Demnach versuchte der frühere IWF-Chef zunächst, diplomatische Immunität geltend zu machen.

Strauss-Kahn bei einer Anhörung am 6. Juni: "Die Handschelle sind eng"
REUTERS

Strauss-Kahn bei einer Anhörung am 6. Juni: "Die Handschelle sind eng"


Hamburg - Sie nahmen ihn fest, kurz bevor der Flieger Richtung Frankreich abhob: Nun hat die New Yorker Staatsanwaltschaft ein Protokoll der Verhaftung von Dominique Strauss-Kahn vorgelegt. Demnach fragte der damalige Chef des Internationalen Währungsfonds IWF zunächst: "Worum geht es?"

Den Unterlagen zufolge versuchte er anschließend, einen Diplomatenstatus geltend zu machen. "Ich habe diplomatische Immunität", soll der 62-Jährige gesagt haben. Er wolle jemanden von der französischen Botschaft sprechen.

Erst Stunden später, als die Polizisten noch einmal auf den Diplomatenstatus zurückgekommen seien, habe Strauss-Kahn gesagt, dass er nicht versuchen wolle, diesen zu nutzen. "Ich wollte nur wissen, ob ich einen Anwalt benötige", soll er entgegnet haben.

Schon kurz nach der Festnahme hatte der Internationale Währungsfonds mitgeteilt, dass Strauss-Kahn keine diplomatische Immunität genieße. Seine Immunität "ist begrenzt und ist nicht auf diesen Fall anwendbar", hieß es beim IWF.

Ansonsten zeigten die Unterlagen eher wenig erhellendes aus den Stunden nach der Festnahme. Auf dem Weg zur Polizeiwache soll Strauss-Kahn um einen Telefonanruf gebeten haben, um seinen Termin am nächsten Tag abzusagen. Er sollte Bundeskanzlerin Angela Merkel treffen. "Die Handschellen sind eng", sagte Strauss-Kahn laut Staatsanwaltschaft ebenfalls.

Strauss-Kahn wird vorgeworfen, am 14. Mai ein Zimmermädchen in einem New Yorker Hotel sexuell angegriffen zu haben. Die Anklage lautet unter anderem auf sexuelle Nötigung und versuchte Vergewaltigung. Der einst mächtige Finanzmanager, der auch als möglicher Herausforderer von Nicolas Sarkozy bei den französischen Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr galt, bestreitet die Vorwürfe.

Er war nach seiner Festnahme von seinem Posten als IWF-Chef zurückgetreten und wartet derzeit unter Hausarrest in einem luxuriösen New Yorker Stadthaus auf den Prozessbeginn.

hut/dpa/Reuters



insgesamt 35 Beiträge
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Seite 1
Michael KaiRo 17.06.2011
1. Interessanter Aspekt
Zitat von sysopDer Zugriff erfolgte am John F. Kennedy Airport: Die New Yorker Staatsanwaltschaft hat ein Protokoll der Festnahme von Dominique Strauss-Kahn veröffentlicht. Demnach versuchte der frühere IWF-Chef zunächst, diplomatische Immunität geltend zu machen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,768914,00.html
demnach hätte er doch gar nicht verhaftet werden dürfen. Ein weiteres Mosaikbausteinchen, dass die Sache gefingert wurde.
quadraginti, 17.06.2011
2. Er hatte Gründe
Zitat von sysopDer Zugriff erfolgte am John F. Kennedy Airport: Die New Yorker Staatsanwaltschaft hat ein Protokoll der Festnahme von Dominique Strauss-Kahn veröffentlicht. Demnach versuchte der frühere IWF-Chef zunächst, diplomatische Immunität geltend zu machen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,768914,00.html
Der wusste schon, warum er verduften wollte...
maliperica 17.06.2011
3. Der Blick hinter der Kulissen wird klarer
Zitat von sysopDer Zugriff erfolgte am John F. Kennedy Airport: Die New Yorker Staatsanwaltschaft hat ein Protokoll der Festnahme von Dominique Strauss-Kahn veröffentlicht. Demnach versuchte der frühere IWF-Chef zunächst, diplomatische Immunität geltend zu machen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,768914,00.html
Wieder eine Psychologisierung die gar nicht besagt. Aber, die Entwicklung um Griechenkrise in der Verbindung mit DSK-Vorfall spricht Bände. DSK war offensichtlich ein Dorn im Auge der finanzpolitischen Doktrin der NYC Bankenwelt. Die Politik und die Stellung des IWF hat sich drastisch seit der Verhaftung DSK drastisch gewendet. Es gehört einfach zu einer gesamten objektiven Analyse.
Diwoka1 17.06.2011
4. Der ganze Text hilft weiter:
Zitat von Michael KaiRodemnach hätte er doch gar nicht verhaftet werden dürfen. Ein weiteres Mosaikbausteinchen, dass die Sache gefingert wurde.
"Schon kurz nach der Festnahme hatte der Internationale Währungsfonds mitgeteilt, dass Strauss-Kahn keine diplomatische Immunität genieße. Seine Immunität "ist begrenzt und ist nicht auf diesen Fall anwendbar", hieß es beim IWF."
chatter 17.06.2011
5. Diplomat...
Zitat von Michael KaiRodemnach hätte er doch gar nicht verhaftet werden dürfen. Ein weiteres Mosaikbausteinchen, dass die Sache gefingert wurde.
Ja, auch interessant die Aussage, dass die Immunität "begrenzt und nicht auf diesen Fall anwendbar" sei. Ist es denn nicht gerade die Grundidee diplomatischer Immunität, dass sie eben erstmal unbegrenzt gilt, damit man Diplomaten nicht so einfach etwas anhängen kann und sie damit ausschalten? Wenn Immunität "begrenzt" werden kann, so kann sie auch umgangen werden. Dann ist sie wertlos. Wichtig nach meinem Verständnis ist, dass im Falle eines Vorwurfs gegen eine Person mit Immunitätsstatus eben zunächst die Immunität aufgehoben werden muss (dafür wäre ein Parlamentsbeschluss o.ä. notwendig) und erst danach eine Festnahme möglich ist. Die Verhaftung von Politikern unter Vorwand mit versteckter, politischer Absicht ist ja nun wirklich eine bekannte Methode und soll durch die Immunitätsbedingung zumindest erschwert werden. Und vergessen wir nicht, wem die Verhaftung am meisten hilft: Sarkozy.
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