Nach Firmen-Pleite Korruptionsermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Franjo Pooth

Erst die Pleite, jetzt steht die Staatsanwaltschaft vor der Tür: Gegen Franjo Pooth, den Ehemann des Werbestars Verona Pooth, wird wegen des Verdachts der Bestechung und der Insolvenzverschleppung ermittelt.


Düsseldorf - Das Verfahren gegen den Unternehmer Pooth wurde heute eröffnet. Das teilte der Sprecher der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft, Johannes Mocken, mit. Der Ehemann von TV-Star Verona Pooth soll sich möglicherweise mit teuren Geschenken an Bank-Vorstände einen hohen Kredit gesichert haben, erläuterte der Sprecher der Staatsanwalt. Pooth hat sich den Angaben zufolge bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Insgesamt wird laut Staatsanwaltschaft in dem Komplex gegen fünf Beschuldigte ermittelt. Auch gegen den bereits beurlaubten Sparkassen-Chef Heinz-Martin Humme sei ein Verfahren wegen des Verdachts der Untreue eingeleitet worden. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, musste er in der Krisensitzung eingestehen, dass ein "Maxfield"-Mitarbeiter am 10. Dezember 2006 einen von Franjo Pooth gekauften Flachbildschirm in sein Privathaus geliefert und an Ort und Stelle installiert habe. Zudem gerieten ein weiterer Sparkassen-Mitarbeiter sowie Pooths Partner als Geschäftsführer seiner Firma Maxfield ins Visier der Staatsanwälte.

"Wir sind froh, dass die Staatsanwaltschaft jetzt ermittelt. Dann wird sich das Ganze bestimmt sehr schnell aufklären", sagte Alain Midzic, Manager von Verona Pooth und Freund der Familie, der dpa. Weil es sich um ein schwebendes Verfahren handele, könne Franjo keine Stellung nehmen - "und Verona liegt krank im Bett". Verona Pooth hatte sich bereits am Mittwoch in der Sendung von Johannes B. Kerner zu den Vorwürfen gegen ihren Mann äußern wollen, aber kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen abgesagt.

Bankenkrise wegen Firmenpleite

Die Insolvenz des Unternehmens hatte in Düsseldorf eine Sparkassen- Affäre ausgelöst. Oberbürgermeister Joachim Erwin (CDU) sagte als Verwaltungsratschef der Sparkasse, er sei über die Vorwürfe schockiert. Pooths Unternehmen Maxfield soll Vorständen der Düsseldorfer Stadtsparkasse Elektrogeräte im Wert von tausenden Euro "geschenkt" haben. Erwin hatte daraufhin Humme aufgefordert, bis zur Klärung der Vorwürfe eine "Auszeit" zu nehmen und eine eidesstattliche Versicherung abzugeben.

Humme äußerte sich am Donnerstagabend zu den Vorwürfen. Es liege kein Anfangsverdacht wegen Bestechlichkeit bei der Staatsanwaltschaft vor, teilte er mit. Den Vorwurf, einen Flachbildschirm finanziert bekommen zu haben, wies er zurück. Pooth habe ihm den Fernseher aus Messeeinsätzen zu einem günstigen Preis angeboten. Das am 10. Dezember 2006 zur Ansicht übergebene Gerät sei jedoch zu groß gewesen. "Zum anderen wollte ich jeden nicht vertretbaren Preisnachlass wegen der Kundenbeziehung zu Maxfield vermeiden", so Humme.

Flachbildschirme und Luxus-Feuerzeuge

Wenig später habe er daher um Abholung des Gerätes gebeten, was auch geschah. Er selbst habe dann noch im Dezember selbst einen Flachbildschirm in einem Düsseldorfer Geschäft erworben und selbst bezahlt. Dies belegten Dokumente, die er der Staatsanwaltschaft und den Gremien des Hauses übergeben habe.

Der Bürgermeister äußerte sich unzufrieden über die Erklärung Hummes. Das sei nicht die geforderte eidesstattliche Versicherung. Er nannte den von Humme geschilderten Vorgang "bizarr". Über Konsequenzen werde am Freitag beraten.

14 Millionen Euro Schulden

Die Sparkasse hatte Pooths Firma Kredit in Millionenhöhe gewährt, obwohl der Verwaltungsratsvorsitzende vor dem Engagement gewarnt haben soll. Sparkassen-Chef Humme war zudem in die Kritik geraten, weil er Gast von Verona und Franjo Pooth bei deren Pracht-Hochzeit in Wien war.

Pooth hatte bereits im Januar beim Düsseldorfer Amtsgericht Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Das Unternehmen, das vor allem MP3-Spieler verkauft hat, soll bis zu 14 Millionen Euro Schulden haben. Allein bei der Sparkasse soll das Unternehmen mit mehr als neun Millionen Euro in der Kreide stehen. Diese Summe wurde mit Hinweis auf das Bankgeheimnis bislang nicht bestätigt.

cjp/AFP/dpa



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