Nach Überfall auf Supertanker Piraten kapern Weizen-Frachtschiff im Golf von Aden

Schon wieder ein Piraten-Angriff vor der jemenitischen Küste: Somalische Seeräuber haben einen mit Weizen beladenen Frachter geentert, der auf dem Weg nach Iran war. Die Entführer des Supertankers "Sirius Star" haben ihre wertvolle Beute mittlerweile in einen Schlupfwinkel bugsiert.

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Nairobi - Der im Golf von Aden entführte Frachter hatte 36.000 Tonnen Weizen geladen, berichtete die Agentur Xinhua mit Bezug auf Chinas maritimes Such- und Rettungszentrum. An Bord befinden sich 25 Besatzungsmitglieder. Das in Hongkong beheimatete Schiff war auf dem Weg in den iranischen Hafen Bandar Abbas.

In derselben Region haben die somalischen Piraten ihre millionenschweren Beute, den Supertanker "Sirius Star", mittlerweile in einen Schlupfwinkel gelotst. Das am Samstag gekaperte, 330 Meter lange Schiff ging am Dienstag in der Nähe der Stadt Hobyo vor der Küste Somalias vor Anker.

Supertanker "Sirius Star": In einen Schlupfwinkel bugsiert
REUTERS

Supertanker "Sirius Star": In einen Schlupfwinkel bugsiert

Dort wollten die Piraten jetzt den Ausgang der Verhandlungen um das Lösegeld für das Schiff und seine 25 Besatzungsmitglieder abwarten.

Die Seeräuber hatten den voll beladenen Tanker des saudischen Ölkonzerns Aramco am Samstag vor der kenianischen Küste gekapert. Es ist das bislang größte Schiff, das Piraten in ihre Gewalt gebracht haben.

Der saudi-arabische Außenminister Prinz Saud al-Feisal verurteilte den Piraten-Überfall auf das Schärfste. "Es ist eine abscheuliche Tat", sagte Feisal in Athen nach einem Treffen mit der griechischen Außenministerin Dora Bakogianni. "Die Piraterie ist wie der Terrorismus eine Plage, die uns alle bedroht und gegen die wir alle gemeinsam vorgehen müssen", fügte er hinzu.

Der Tanker hat nach Angaben aus Saudi-Arabien zwei Millionen Barrel (318 Millionen Liter) Rohöl mit einem aktuellen Marktwert von rund hundert Millionen US-Dollar (gut 79 Millionen Euro) geladen und war auf dem Weg in die USA, als er von den Seeräubern aufgebracht wurde. Entgegen bisheriger Praxis schlugen die Piraten nicht vor der somalischen Küste zu, sondern weiter südlich vor der Küste Kenias.

Die 25 Besatzungsmitglieder - zwei Briten, zwei Polen, ein Kroate, ein Saudi und 19 Philippiner - sind nach Angaben der saudischen Betreibergesellschaft "Vela International Marine" unversehrt. "Wir bemühen uns um ihre sichere und baldige Rückkehr", hieß es in einer Mitteilung. Vela warte nunmehr auf Kontaktaufnahme durch die Piraten. Aus Sicherheitsgründen und wegen des "heiklen Charakters" der Angelegenheit werde die Gesellschaft dazu keine weiteren öffentlichen Erklärungen abgeben.

Eine Sprecherin der 5. Flotte der US-Marine in Bahrain sagte, man beobachte die Bewegungen der Piraten, plane aber derzeit kein Eingreifen: "Derzeit verfolgen wir die Spur des Tankers nicht mit einem Kriegsschiff."

Die schwer bewaffneten Piraten benutzen inzwischen zunehmend "Mutterschiffe", um ihre Reichweite zu vergrößern. Dann preschen sie mit Speedboats auf das Schiff zu, entern es von beiden Seiten und feuern mit Gewehren und Panzerfäusten knapp über die Brücke, wenn der Kapitän zu entkommen versucht.

Deutsche Fregatte schützte zwei Schiffe vor Piraten-Angriffen

Die deutsche Fregatte "Karlsruhe" hat zwei Schiffe im Golf von Aden vor Piraten-Angriffen bewahrt. Ein bewaffneter Marine-Hubschrauber sei am Montag dem äthiopischen Handelsschiff "Andinet" zur Hilfe geeilt, das von zwei Motorbooten attackiert wurde, teilte die Marine am Dienstag in Glücksburg mit.

Tags darauf hatte der britische Tanker "Trafalgar" den Angriff von acht bis neun Speedbooten gemeldet. Mit Eintreffen des Marine-Hubschraubers hätten die Angreifer vom Schiff abgelassen, hieß es. Die Vorfälle ereigneten sich 50 Kilometer südlich der jemenitischen Küste. Die Fregatte war auf dem Weg von Doha nach Safaga.

Die Zahl der erfolgreichen Piratenüberfälle in der Region konnte nach Marine-Angaben durch verstärkte militärische und zivile Abwehrmaßnahmen von 53 Prozent im August auf 31 Prozent im Oktober verringert werden. Der Überfall auf die "Sirius Star" zeige jedoch, dass sich die somalischen Piraten auf die veränderte Lage einstellten und "immer gewagtere Angriffe" durchführten.

Gegenwärtig haben die somalischen Seeräuber noch zwölf Schiffe mit rund 250 Besatzungsmitgliedern in ihrer Gewalt. Unter den Schiffen ist auch der ukrainische Frachter "MV Faina" mit seiner Ladung von 33 Kampfpanzern und leichten Waffen, die für Kenia bestimmt sind. Nach jüngsten Berichten versuchen die Piraten inzwischen, einen Teil der Ladung zu löschen.

jjc/Reuters

Die Nato-Kriegsschiffe im Golf von Aden
Flaggschiff und Zerstörer "Durand de la Penne"
Der italienische Zerstörer ist ein 5000-Tonnen-Mehrzweckkriegsschiff. Es dient der Abwehr von Luft- und U-Boot-Angriffen - letztere werden im Golf natürlich keine Rolle spielen. Bei Landgang und Küstenbombardierungen kann der Zerstörer Schützenhilfe leisten. Dieses erste Schiff der De-la-Penne-Serie wurde 1993 in Betrieb genommen. Der italienische Admiral Giovanni Gumiero führte den Nato-Flottenverband, bevor das Schiff zur Anti-Piraterie-Mission geschickt wurde.
Fregatte "Themistokles"
Die Fregatte "Themistokles" ist ein Schiff aus der Elli-Klasse der griechischen Marine. Sie wurde 1979 in den Niederlanden gebaut und 2003 an Griechenland verkauft. Dort wurde das Schiff modernisiert und zur "HS Themistokles" umbenannt. An Bord der 3100 Tonnen schweren Fregatte befinden sich neben Torpedos und Missiles auch zwei Hubschrauber.
Fregatte "Cumberland"
Die "Cumberland" ist eine F85-Fregatte der britischen Royal Navy. Das in Schottland gebaute Kriegsschiff wurde 1989 in Betrieb genommen. Ursprünglich sollte die Cumberland gegen U-Boote eingesetzt werden, bekämpft jetzt aber auch feindliche Schiffe und Flugzeuge. Sie kann auf eine Maximalgeschwindigkeit von 30 Knoten beschleunigt werden.

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Robert B., 18.11.2008
1. Kriegsschiffe
Die gleichen Massnahmen wie seit 5 Jahrhunderten. Kriegsschiffe auf Piratenjagd schicken. Sehr viel sinnvoller als der Afganistaneinsatz der BW.
dcl 18.11.2008
2.
---Zitat--- Die US-Marine erklärte, die meisten Attacken der vergangenen Monate hätten durch "Sicherheitsteams an Bord" abgewehrt werden können. ---Zitatende--- Genau. Diese Sicherheitsteams werden natürlich von internationalen Sicherheitsunternehmen wie Blackwater o.ä. gestellt, in welchen die Spezialisten der US Navy nach ihrer militärischen Karriere ihr Brot verdienen. Handelsschiffe sind weder auf Verteidigung noch auf Angriff gebaut und bei zwei Millionen Barrel Öl möchte ich mir den Beschuss mit sog. reaktiven Panzerbüchsen (Panzerfaust) nicht vorstellen. Sicherheitsteams führen zur Eskalation auf den Handelsschiffen. Wozu gibt es bitte Kriegsschiffe? Die sind genau für solche Operationen gebaut worden und sind personell auf kriegerische Maßnahmen eingestellt. Dieses Rumgeeiere, auch von Seiten der Bundesmarine, ist zum heulen. Haben die Jungs Angst, dass ihre teuren Spielzeuge Kratzer bekommen könnten?
Interessierter0815 18.11.2008
3.
Zitat von sysopDie Kaperung des Super-Tankers weit vor der Küste Somalias zeigt: Das Problem der Piraterie wird für die internationale Seefahrt immer bedrohlicher. Welche Maßnahmen müssen ergriffen werden, um den Seehandel wieder sicher zu machen?
Die Welt am techn. Fortschritt teilnehmen lassen? Erst klauen wir die Rohstoffe der Länder und dann flennen wir noch, das sie sich wehren.
yato, 18.11.2008
4. Da war die Realität wieder mal schneller als Hollywood
Zitat von Robert B.Die gleichen Massnahmen wie seit 5 Jahrhunderten. Kriegsschiffe auf Piratenjagd schicken. Sehr viel sinnvoller als der Afganistaneinsatz der BW.
scheint ja nicht sehr viel gebracht zu haben seit 5 jahrhunderten, oder hatten piraten in der weltgeschichte schon jemals so einen dicken fisch an der angel? mit der zivilisierung hat das übrigens wohl doch nicht so gut geklappt - sind wir jetzt eigentlich wieder im mittelalter? ...man mag sich gar nicht vorstellen was mit so einem riesentanker voll öl alles möglich wäre, wenn die piraten durchdrehen...
TranceData, 18.11.2008
5.
Piraten wurden früher von der Marine versenkt. Also: Back to the roots...
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