Tödlicher Streit unter Nachbarn Schütze soll wegen Fastens nicht voll zurechnungsfähig gewesen sein

Warum erschoss ein 39-Jähriger seinen Nachbarn? Die Staatsanwaltschaft schloss sich nun einem Gutachter an, wonach der Sportschütze durch Fasten während des Ramadan nicht voll zurechnungsfähig war.

Tatort in Wellendingen: Lange Haftstrafe für Sportschützen gefordert
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Tatort in Wellendingen: Lange Haftstrafe für Sportschützen gefordert


Rottweil - Die Tat lief laut Staatsanwaltschaft wie eine Hinrichtung ab. Der 39-jährige Angeklagte aus dem baden-württembergischen Wellendingen war mit seinem Nachbarn im Juli 2013 in Streit geraten. Es ging mal wieder um die Grundstücksgrenze, die Müllentsorgung und die Zufahrtswege.

Als der Streit eskalierte, ging der Sportschütze nach eigener Aussage zu seinen Waffenschränken, nahm eine halbautomatische Pistole und Munition heraus. Aus unmittelbarer Nähe erschoss er laut Anklage seinen 43 Jahre alten Nachbarn.

Nun muss der Angeklagte womöglich lange Zeit ins Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft forderte vor dem Landgericht Rottweil 13 Jahre Haft wegen Totschlags. Der Anwalt der Witwe verlangte lebenslang wegen Mordes.

Warum der bis dahin völlig unbescholtene Mann derart ausrastete, blieb unter den Prozessbeteiligten bis zuletzt umstritten. Ein Erklärungsversuch ist, dass zur Tatzeit Ramadan war. Der 39-Jährige hielt sich als gläubiger Muslim streng an die Fastenvorschriften. 14 Stunden lang hatte er trotz der Hitze an jenem Tag nichts getrunken und gegessen. Dadurch sei er geistig stark geschwächt gewesen, sagte ein Gutachter. Auch aus diesem Grund bescheinigte er dem Angeklagten eine verminderte Schuldfähigkeit.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung schlossen sich dieser Argumentation an. Allerdings betonte der Staatsanwalt, der Ramadan habe keine wesentlichen Auswirkungen auf das Strafmaß.

Der 39-Jährige hat die Tat größtenteils zugegeben. Das Urteil soll am 8. April verkündet werden.

gam/dpa



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