Nadine-Prozess Anklage fordert hohe Haftstrafe

Im Prozess um den Tod der kleinen Nadine hat die Staatsanwaltschaft achteinhalb Jahre Haft für den Angeklagten gefordert. Der 32-Jährige habe sich der Körperverletzung mit Todesfolge und schweren Misshandlung schuldig gemacht, hieß es im Landgericht Hildesheim.


Hildesheim - Für die 30 Jahre alte Mutter des Mädchens forderte der Staatsanwalt ein Jahr Haft auf Bewährung. Die Übergriffe des Mannes auf das Kind seien eine Machtdemonstration gegenüber seiner Frau gewesen, weil er nicht der leibliche Vater des Mädchens war.

Der 32 Jahre alte Mann habe "den hilflosen Säugling als Objekt für seinen Frustabbau benutzt", sagte Staatsanwalt Wolfgang Scholz in seinem Plädoyer. Die Eltern des Kindes aus dem niedersächsischen Neudorf-Platendorf müssen sich seit Mitte März vor Gericht verantworten.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Vater seine im Oktober 2000 geborene Tochter von Dezember 2001 bis August 2002 mehrfach geschlagen und ihr Verbrennungen an den Füßen zugefügt hat. Außerdem soll das Kind über einen längeren Zeitraum nicht ausreichend ernährt worden sein.

Das Mädchen soll an den Misshandlungen und der Unterversorgung schließlich gestorben sein. Von der Leiche fehlt bislang jede Spur. Die Eltern hatten beteuert, Nadine sei 2003 als Zweieinhalbjährige nach einem Sturz aus dem Hochbett gestorben. Aus Angst vor dem Jugendamt hätten sie die Kleine heimlich im Harz begraben und ihren Tod jahrelang verschwiegen.

Im November 2003 brachte die Mutter ein weiteres Kind zur Welt, das sie als die verschwundene Nadine auszugeben versuchte. Die Verteidigung will voraussichtlich am 2. Mai plädieren. Das Urteil wird für den 4. Mai erwartet.

jto/dpa/ddp



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