Nahrung Gammelfleisch auch in Hessen und Niedersachsen entdeckt

Der Gammelfleisch-Skandal weitet sich aus. Mehrere hundert Kilo Ware aus den Beständen eines verdächtigen Münchner Großhändlers sind jetzt in Hessen sichergestellt worden, drei weitere Tonnen in Niedersachsen.


Wiesbaden – Über die Beschlagnahmung des Fleisches informierte heute das Wiesbadener Umweltministerium. Aus gegen Mitternacht eingetroffen Lieferlisten habe sich ergeben, dass zwei Asien-Läden und ein Zwischenhändler im Rhein-Main-Gebiet 433 Kilo Ente, Rind, Schwein und Huhn bezogen hätten. Die Behörden haben die tiefgekühlte Ware sichergestellt und Proben ans Landeslabor Gießen geschickt. Ergebnisse erwarten sie bis Dienstag.

Der unter Verdacht geratene Münchner Großhändler hat darüber hinaus offensichtlich auch drei Tonnen altes Fleisch nach Niedersachsen geliefert. Nach derzeitigem Stand sollen zwei Firmen mit verschiedenen Fleischsorten von dort beliefert worden sein, teilte das niedersächsische Verbraucherschutzministerium mit.

Am Donnerstag und Freitag waren bei einem Münchner Großhändler Dutzende Tonnen verdächtiges Fleisch beschlagnahmt worden. Das Haltbarkeitsdatum war um bis zu vier Jahre überschritten. Den Angaben zufolge wurden gestern zusätzlich zu den bereits sichergestellten etwa 20 bis 30 Tonnen Dönerfleisch auch noch 30 bis 40 Tonnen Entenfleisch beschlagnahmt.

Zu den Kunden der Firma gehören Gaststätten und Imbissstände in ganz Deutschland. Bereits gestern hatten hessische Lebensmittelkontrolleure eine Tonne Wild bei einem aus München belieferten Fleischverarbeiter im Rhein-Main-Gebiet sichergestellt. Der Betrieb hatte sich aus eigenem Antrieb an die Behörden gewandt.

Für den Chef der Verbraucherschutzorganisation foodwatch, Thilo Bode, kommt der neuerliche Fleischskandal nicht überraschend. "Es gibt in der Fleischindustrie in Deutschland flächendeckenden Missbrauch", sagte Bode der "Passauer Neuen Presse". Man solle nicht von einzelnen schwarzen Schafen sprechen, sondern von einem System, das zum Betrügen geradezu einlade. Bode gab auch der Politik Mitschuld an dem Skandal. Die geltenden Gesetze seien "wirkungslos und miserabel". Die Strafen müssten vielmehr erhöht werden.

asc/dpa/ddp



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