Nazi-Massaker von Marzabotto Lebenslange Haft für zehn SS-Männer

Mehr als 60 Jahre nach einem der schlimmsten Massaker von SS-Soldaten in Italien hat ein Gericht zehn Beteiligte zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Die heute über 80-jährigen Deutschen waren allerdings bei dem Prozess nicht dabei und werden wahrscheinlich die Haft nicht antreten
müssen.


La Spezia - Ein Militärgericht im norditalienischen La Spezia hat zehn ehemalige SS-Soldaten heute für schuldig befunden, im Herbst 1944 in dem Ort Marzabotto in der Emilia Romagna und den umliegenden Gemeinden mehr als 800 Menschen getötet zu haben, darunter zahlreiche Frauen und Kinder. Das Massaker war ein Vergeltungsschlag nach einem Partisanenangriff. Die Richter verurteilten die zehn Männer zu lebenslanger Haft, sieben weitere Angeklagte wurden freigesprochen. Der Prozess hatte im April vergangenen Jahres begonnen. Die Deutschen wurden in Abwesenheit verurteilt und werden wahrscheinlich keine Haftstrafen antreten müssen. Sie sollen alle in Deutschland leben.

Das Gericht veranlasste auch eine Schadenersatzzahlung an die
zahlreichen Zivilkläger in Höhe von 100 Millionen Euro. Der ehemalige SS-Obersturmbannführer Walter Reder hatte die Tötung der Zivilisten angeordnet und war dafür 1951 in Bologna zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Im Jahr 1985 wurde er aus der Haft entlassen. Er starb 1991 in Wien.

Der verstorbene Bundespräsident Johannes Rau hatte sich 2002 in Marzabotto für das Kriegsverbrechen entschuldigt. "Wenn ich an die Kinder und Mütter denke, an die Frauen und an die ganzen Familien, die an diesem Tag Opfer des Mordens geworden sind, dann ergreifen mich Trauer und Scham", sagte Rau damals.

kai/dpa/AP



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